Schicksal von Wal Timmy wird zur Blackbox
Dass der Wal-Transport zu einer Blackbox werde, haben schon zahlreiche Experten im Vorfeld kritisiert. Der Meeresbiologe und Walforscher Fabian Ritter forderte im Gespräch mit t-online: „Die Daten des Senders müssen öffentlich gemacht werden, um den Weg des Wals nach einer möglichen Freilassung nachvollziehen zu können.“
Die Entscheidung der Initiative, die Standortdaten des Wals nicht der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen, weil man „keinen Wal-Tourismus“ wolle und der „Wal seine Ruhe haben soll“, sieht Ritter äußerst kritisch und verweist auf die Widersprüche im Vorgehen der Aktivisten. „Plötzlich braucht der Wal also seine Ruhe, nachdem sie zwei Wochen lang mit jedem zur Verfügung stehenden Wasserfahrzeug ganz nah an ihm herumgeschippert sind“, kommentiert er. „Das ist sehr zynisch.“
Ritter kritisiert den Umgang der Initiative mit Informationen scharf. „Es herrscht jetzt schon eine gewisse Geheimniskrämerei“, sagt der Walexperte. Die Initiative lasse keine externen Filmaufnahmen zu und wolle die Bilder selbst verkaufen, angeblich zur Finanzierung einer ominösen Walschutzkampagne, von der niemand etwas wisse.
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GPS-Tracker zusammen mit Wal Timmy auf dem Meeresgrund?
Neben der Möglichkeit, dass gar kein GPS-Tracker am Wal angebracht wurde, gibt es einen weiteren möglichen Grund für die Funkstille: „Dass der Sender nichts sendet, kann theoretisch auch bedeuten, dass er zusammen mit dem Wal auf dem Meeresgrund liegt“, erklärte Ritter auf Anfrage von t-online. Für ihn wäre dies das Worst-Case-Szenario.
Sollte Wal Timmy tatsächlich gestorben sein, könnte sein Körper nun einen Prozess auslösen, der in der Meeresforschung als Walsturz bezeichnet wird. Dabei sinkt der Kadaver eines Wals auf den Meeresboden und wird dort zur Grundlage eines eigenen Ökosystems. Was für den Wal das Ende bedeutet, kann für andere Lebewesen zur Überlebensgrundlage werden.
„Walstürze sind für Aasfresser der Tiefsee wie ein Jackpot, da sie eine wichtige und dauerhafte Nahrungsquelle in einem Ökosystem darstellen, in dem Nahrung knapp ist“, schreiben die Wissenschaftler von der „National Marine Sanctuary Foundation“.
Der Walsturz – der Jackpot fürs Ökosystem
Ein solcher Walsturz verläuft in mehreren Phasen, in denen unterschiedliche Lebewesen den Kadaver besiedeln. Zunächst fressen Aasfresser wie Haie, Schleimaale und Krebse das Weichgewebe. Diese Phase kann sich über Monate ziehen.











