Bei einem anderen Auftritt auf einem Kongress für Immobilienunternehmer und -Investoren erläutert Bohlen im Januar 2025 die Motivation seines Handelns. Er habe „immer nur wie so ein Trüffelschwein geguckt, wo irgendwelche Kohle vergraben liegt.“ Damit das gelingt, so rät Bohlen dem jubelnden Publikum, müsse man allerdings wissen, was man kann. Er selbst sei nie der beste Musiker gewesen, aber er verfüge über ein anderes Alleinstellungsmerkmal. Nämlich: „Große Fresse“. Und die habe ihm „viel Geld gebracht.“

Doch die goldenen Zeiten von einst sind vorbei. Die Gesellschaft feiert nun die „große Fresse“ von Männern, die stolz darauf sind, wehrlose Teenager vor laufenden Kameras zu demütigen, nicht mehr so frenetisch wie vor 20 Jahren. Somit schrumpft die mediale Bühne für Bohlen und sie wandert ein gutes Stück weiter nach rechts im Saal.

Und er muss sie sich mit Personen wie Roland Tichy, Peter Hahne, Thilo Sarrazin oder Gloria von Thurn und Taxis teilen, die sich ebenfalls regelmäßig an Kettners Seite zeigen. So reiht sich Bohlen in ein Kabinett aus Figuren ein, die sich von Rationalität, von Redlichkeit und von der Mitte der Gesellschaft längst verabschiedet haben. Sie eint, dass sie ihre großen Tage hinter sich haben und sich jetzt in der gegenseitigen Überbietung ihres Alarmismus ihr letztes Gnadenbrot an Aufmerksamkeit verdienen.

In diesem rückwärtsgewandten Umfeld wird Bohlen noch als Vorbild, als Leitfigur und Experte anerkannt. Und in diesem Milieu werden seine ewig gleichen neoliberalen, sozialdarwinistischen und rechtskonservativen Parolen so bejubelt wie einst die ewig gleichen Melodien von Modern Talking.

Der Preis dafür ist hoch. Bohlen stellt sich ganz in den Dienst des Goldverkaufs. Auf dem Webinar zum Thema „finanzielle Selbstverteidigung“ wird er zwar als Stargast angekündigt, taucht dort aber bloß kurz auf. In Kettners fünfstündiger Mischung aus Untergangs-Keynote und Teleshopping werden Bohlens aufgezeichnete Rede-Häppchen einzig dazu verwendet, die Vorzüge von Gold anzupreisen. Der vermeintliche Experte gerät so zum Stichwortgeber für Kettners Online-Kaffeefahrt. Das Tragische an dem Goldesel ist schon im Märchen, dass er selbst von seinem ganzen Gold im Hintern wenig hat.

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