AfD-Spitzenkandidat

Der gar nicht so freundliche Herr Siegmund


Aktualisiert am 28.08.2026 – 01:13 UhrLesedauer: 12 Min.

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Ulrich Siegmund: Er will erster Ministerpräsident der AfD werden. (Quelle: Hendrik Schmidt/dpa)

In Sachsen-Anhalt inszeniert sich Ulrich Siegmund als freundliches Gesicht der AfD. Doch sein Team führt seit einem Jahr einen aggressiven Kampf gegen die Presse. Mit großem Erfolg.

Es ist sein Ritual, und an diesem Morgen findet es unter einem blauen Pavillon auf einem Marktplatz in Halle statt. Es ist der 11. August, noch knapp ein Monat bis zur Landtagswahl. Menschen drängen sich dicht an dicht um Ulrich Siegmund. Teenager-Gruppen. Arbeiter. Eltern mit ihren Kindern. Rentner. Mehrere von Siegmunds Sicherheitsleuten versperren die Zugänge und ordnen den Strom: Zutritt zu Siegmund nur von vorn.

Der AfD-Spitzenkandidat für Sachsen-Anhalt empfängt die meisten einzeln, maximal in Gruppen zu dritt. Er lächelt. Ein fester Händedruck, einige Sätze, Siegmund schaut sein Gegenüber fest an. Dann: ein Foto, gerne auch ein Video. Siegmund filmt selbst, mit dem Handy des Besuchers, im Selfie-Modus, seine Besucher gut mit im Bild. Sind Kinder dabei, geht er dafür in die Hocke. Zum Abschied fasst er jedem an die Schulter.

So geht das zwei Stunden lang: Handschlag, Gespräch, Video, Schultergriff. Handschlag, Gespräch, Foto, Schultergriff. Handschlag, Gespräch, Video, Schultergriff.

Mehrere junge Männer von Siegmunds Medienteam, Aktivisten der rechtsextremen „Identitären Bewegung“, kreisen währenddessen mit Kameras um den Stand. Sie fotografieren und filmen: Siegmund in der Menge, Siegmund in Nahaufnahme.

Zwei Streamer senden die Veranstaltung live ins Netz, stundenlang. Sie begleiten in der heißen Phase des Wahlkampfs fast jeden seiner Termine. Siegmund duzt sie. Als er alle Hände geschüttelt hat, der Platz sich langsam leert, stellt er sich vor die Kameras. Die Streamer dürfen ihre Fragen zuerst stellen. Es sind Wohlfühlfragen, Stichworte für Siegmunds Werbebotschaft.

Kritische Fragen stellt am Ende erst ein Journalist des Deutschlandfunks. Siegmund antwortet ihm ausführlich, ruhig. Als er fertig ist, hält ein Streamer, der unter dem Namen „Aktivist Mann“ auftritt, dem Journalisten sofort sein Mikrofon unter die Nase, dreht seine Kamera auf ihn und fragt laut: „Sind Sie bei der Antifa?“

Siegmund steht daneben und lacht.

Siegmund im Kreis von Streamern und Reportern in Halle (Saale). (Quelle: Leister )

Die Siegmund-Show flutet das Netz

Siegmund will in Sachsen-Anhalt Anfang September die absolute Mehrheit holen, seine AfD soll allein regieren. „45 Prozent + X“ ist die Zauberformel, die er auf seinen Veranstaltungen verkündet. Damit wäre er der erste Ministerpräsident der AfD in Deutschland. Viele vor ihm haben das versucht. Doch keiner war je so nah dran wie er.

Geschafft hat er das mit dem bisher professionellsten Wahlkampf der AfD. Seine zentrale Botschaft ist dabei nicht Wut, Ärger, Verdruss, wie sonst oft bei der AfD üblich. Sondern: Hoffnung.

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