Jungstar auf WM-Kurs
Der Druck wird immer größer
25.07.2026 – 07:38 UhrLesedauer: 4 Min.

Mit gerade einmal 19 Jahren steht Kimi Antonelli vor dem Gewinn seiner ersten Formel-1-Weltmeisterschaft. Doch die Gefahren lauern überall.
Viel besser hätte die erste Runde beim Rennen in Spa für Kimi Antonelli nicht laufen können: Während der Mercedes-Jungstar das Duell um die Spitze nach dem Start mit Max Verstappen für sich entschied, musste nur wenige Meter hinter ihm sein Teamkollege George Russell nach einer Kollision mit Ferrari-Pilot Lewis Hamilton das Rennen früh beenden.
Antonelli gewann den Grand Prix, Russell ging einmal mehr leer aus. Satte 50 Punkte Vorsprung hat der junge Italiener nun schon auf seinen deutlich erfahreneren Teamkollegen in der Formel-1-Fahrerwertung. Hamilton, sein erster Verfolger, ist nur fünf Punkte näher dran. Mit gerade einmal 19 Jahren ist Antonelli der absolute Topfavorit auf den WM-Titel in dieser Saison. Doch es kann noch eine Menge schiefgehen.
Ein Teenager als Weltmeister?
Mittlerweile sechs Siege hat Antonelli auf dem Konto, Teamkollege Russell lediglich zwei. Die Ferrari-Konkurrenz um Charles Leclerc und Hamilton konnte sogar jeweils nur einmal siegen. Antonelli scheint der dominierende Fahrer dieser Saison zu sein. Noch nie in der Formel-1-Geschichte schaffte es ein Fahrer, einen Rückstand von mehr als 46 Punkten aufzuholen und am Ende der Saison noch Weltmeister zu werden.
Die Zahlen sprechen also eine deutliche Sprache: Die „Königsklasse des Motorsports“ darf sich wohl auf einen Teenager als Weltmeister vorbereiten. Oder doch nicht? Antonelli dürfte trotz des komfortablen Vorsprungs und konstant guter Leistungen gewarnt sein. Allein die vergangene Saison dient dabei als mahnendes Beispiel.

Erst 2025 legte McLaren-Jungstar Oscar Piastri eine ebenso rasante erste Saisonhälfte hin wie Antonelli. Bis einschließlich des Großen Preises von Belgien hatte der Australier sieben von 13 absolvierten Rennen gewonnen, sein deutlich erfahrenerer Teamkollege Lando Norris hatte nur viermal zuoberst auf dem Podest gestanden. Nach dem Großen Preis der Niederlande, den Piastri gewann, während Norris mit einem Defekt ausfiel (ähnlich wie Antonelli und Russell jetzt in Belgien) betrug der Vorsprung Piastris bereits 34 Punkte. Die meisten hatten den WM-Kampf schon abgeschrieben.
Doch was folgte, war ein ungeahnter Einbruch. Piastri gewann keines der verbleibenden neun Rennen mehr, schaffte es in nur drei Rennen überhaupt noch auf das Podium – und am Ende jubelte doch Norris über den ersten WM-Titel seiner Karriere.
Der „Iceman“ war geschmolzen
Die Wende kam vor allem deshalb überraschend, weil Piastri während der ersten Saisonphase mit großer Ruhe auch in entscheidenden Momenten beeindruckte, während der eigentlich routiniertere Norris immer wieder Nerven zeigte und patzte. Piastri hatte sich sogar schon den Spitznamen „Iceman“ (dt.: Eismann) aufgrund seines scheinbar so kühlen Gemüts verdient. Doch in der entscheidenden Saisonphase war davon nichts mehr zu spüren, zu häufig unterliefen Piastri Fehler. Angesichts der immer größer werdenden Titelchance zeigte der damals 24-Jährige doch plötzlich Nerven, während Norris auf einmal in den entscheidenden Momenten lieferte.










