Die humanitäre Lage verschlechtert sich weiter
Der Sudan steht derzeit vor der größten humanitären Krise der Welt. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) sind kürzlich mehr als 26.000 Menschen im Lager Tawila angekommen – rund 60 Kilometer von der eroberten Stadt Al-Fashir entfernt. „Neuankömmlinge berichten von gefährlichen Reisen und schrecklichen Misshandlungen“, schrieb UN-Flüchtlingshochkommissar Filippo Grandi auf Plattform X. „Das Blutvergießen nach der Gefangennahme von Al-Fashir durch RSF ist entsetzlich“, sagte Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan. Die Opfer seien vor allem die lokale Bevölkerung, sagte sie, „und weitere Wellen rassistischer Gewalt, Hunger und Vertreibung drohen in einer Region, die bereits seit Jahren unter den Folgen des Sudan-Krieges leidet.“
Wie kam es zur Krise im Sudan?
Die Ursachen liegen tief. Drei Jahrzehnte Diktatur unter Omar al-Bashir, Bürgerkriege und systematische Ausgrenzung haben das Land in Trümmern hinterlassen. Nach dem Sturz al-Bashirs im Jahr 2019 sollte eine zivil-militärische Übergangsregierung Reformen einleiten und Wahlen vorbereiten – bis die Armee unter Abdel Fattah al-Burhan 2021 einen Putsch durchführte. Gleichzeitig eskalierte der Machtkampf mit den Rapid Support Forces – einer Miliz mit Wurzeln in den arabischen Reitergruppen, die für Kriegsverbrechen und ethnische Säuberungen während des Darfur-Konflikts verantwortlich gemacht werden. Als die RSF 2023 in die reguläre Armee integriert werden sollte, brach der Konflikt offen aus.
Warum hat sich der Konflikt verschärft?
Die monatelange Belagerung der Stadt Al-Faschir hat das militärische Machtgleichgewicht in Darfur verschoben. Mit dem Vormarsch der RSF sind erneut Massentötungen, Folter, Vergewaltigungen und ethnisch motivierte Gewalt zu befürchten. Gleichzeitig haben regionale Einmischung und fortgesetzte Waffenlieferungen den Krieg weiter angeheizt.
Wie ist die humanitäre Lage im Sudan?
Seit Beginn der Kämpfe im Frühjahr 2023 haben sich die Menschenrechtslage sowie die wirtschaftlichen, sozialen und humanitären Bedingungen im gesamten Sudan dramatisch verschlechtert. In vielen Regionen bricht die Grundversorgung zusammen: Trinkwasser, Lebensmittel, Medikamente, Treibstoff und Strom sind knapp. Das Gesundheitssystem steht vor dem Zusammenbruch – etwa 70 bis 80 Prozent der Einrichtungen sind dauerhaft geschlossen. Die Gewalt hat zu Massenvertreibungen geführt: Bereits vor den jüngsten Entwicklungen berichtete das UNHCR im September 2025, dass rund 12 Millionen Menschen bereits aus ihrer Heimat geflohen seien, 7,4 Millionen seien innerhalb des Landes vertrieben worden, andere suchten Zuflucht in Nachbarstaaten wie Tschad, Südsudan und Ägypten.
Überfüllte Lager und schlechte sanitäre Einrichtungen führen zunehmend zu Todesfällen durch Infektionskrankheiten wie Masern und Cholera. Der Hunger nimmt stark zu. Nach Angaben des Welternährungsprogramms sind rund fünf Millionen Menschen im Sudan akut von einer Hungersnot bedroht, während etwa 25 Millionen von Ernährungsunsicherheit betroffen sind. Besonders betroffen sind Kinder: Etwa 24 Millionen sind davon betroffen, rund 15 Millionen können nicht zur Schule gehen. Angesichts der jüngsten Entwicklungen wird erwartet, dass sich die humanitäre Lage im Sudan weiter verschlechtern wird.
Wie hilft Deutschland im Sudan?
Deutschland weitet seine Unterstützung für die Menschen im Sudan aus. „In der aktuellen verwirrenden und gefährlichen Situation steht die deutsche Entwicklungszusammenarbeit weiterhin an der Seite der Betroffenen“, sagte Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali-Radovan. Deutschland unterstützt UNICEF und das UN-Welternährungsprogramm (WFP) in Darfur beispielsweise dabei, den Zugang zu sauberem Trinkwasser und grundlegender Gesundheitsversorgung zu sichern.











