Risiko bei älteren Menschen

Nach einer OP plötzlich verwirrt? Das könnte Folgen haben


14.06.2026 – 06:45 UhrLesedauer: 3 Min.

Ältere Frau im Krankenhaus (Symbolbild): Vorübergehende Verwirrtheit nach einer Operation könnte sich später auf die geistige Gesundheit auswirken. (Quelle: demaerre/Thinkstock by Getty-Images-bilder)

Nach einer OP leiden viele ältere Menschen an vorübergehender Verwirrtheit. Eine neue Studie legt nahe: Das Delir könnte dem Gehirn dauerhaft schaden.

Sie erkennen Angehörige nicht mehr, verlieren das Zeitgefühl oder wirken ungewöhnlich unruhig: Wenn Menschen nach einer Operation vorübergehend verwirrt und desorientiert sind, bezeichnen Mediziner das als „postoperatives Delir“. Es gehört zu den häufigsten Komplikationen nach größeren Eingriffen, insbesondere bei älteren Menschen.

Meist klingt der Zustand nach einigen Tagen wieder ab. Doch eine neue Studie legt nahe, dass die Folgen deutlich länger anhalten könnten: Betroffene bauen geistig über Jahre hinweg schneller ab als Menschen, die nach einer Operation kein Delir entwickeln.

Warum entsteht ein Delir?

Die genauen Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt. Experten vermuten, dass mehrere Faktoren zusammenwirken. Eine wichtige Rolle spielen vermutlich Entzündungsreaktionen des Körpers auf die Operation, die auch das Gehirn beeinflussen können. Zudem scheinen Veränderungen von Botenstoffen im Gehirn sowie die Wirkung von Narkosemitteln zur Entstehung beizutragen.

Zusammenhang zwischen Delir und Demenz

Schon länger vermuten Wissenschaftler, dass ein Delir mehr ist als eine vorübergehende Störung. Studien haben gezeigt, dass Betroffene später häufiger an Demenz erkranken und geistig schneller abbauen. Warum, ist aber noch nicht abschließend erforscht.

Eine denkbare Erklärung: Menschen, die ein Delir entwickeln, sind oft ohnehin kränker und gebrechlicher als andere Patienten. In vielen Fällen müssen sie nach einer Operation erneut ins Krankenhaus, nicht selten mehrmals. Sie verbringen mehr Zeit auf Intensivstationen oder benötigen eine Rehabilitation. All diese Belastungen können die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.

Ebenso denkbar ist jedoch, dass das Delir selbst langfristige Veränderungen im Gehirn auslöst und so den geistigen Abbau beschleunigt.

Die aktuelle Studie sollte klären, welche dieser Erklärungen wahrscheinlicher ist: Ist das Delir lediglich ein Anzeichen für einen schlechteren Gesundheitszustand – oder trägt es selbst zum späteren geistigen Abbau bei?

Daten von 560 älteren Personen analysiert

Für die Studie begleiteten die Forscher 560 Menschen ab 70 Jahren, die sich einer größeren Operation unterzogen hatten. Während des Krankenhausaufenthalts überprüften sie täglich, ob die Patienten ein Delir entwickelten. Anschließend beobachteten sie die Teilnehmer über mehrere Jahre hinweg. Dabei erfassten sie regelmäßig mithilfe von Tests deren geistige Leistungsfähigkeit und dokumentierten, ob sie später erneut ins Krankenhaus mussten.

Auf den ersten Blick waren die Ergebnisse wenig überraschend: Von den 560 Teilnehmern entwickelten 134 Personen, also knapp ein Viertel, nach dem Eingriff ein Delir. Die Betroffenen mussten später häufiger erneut ins Krankenhaus. Auch wiederholte Krankenhausaufenthalte gingen mit einem stärkeren geistigen Abbau einher.

Delir ist mehr als nur ein Warnzeichen

Die Überraschung kam bei der statistischen Auswertung. Die Forscher berücksichtigten dabei, wie oft die Teilnehmer nach der Operation erneut ins Krankenhaus mussten. So konnten sie prüfen, ob der schnellere geistige Abbau möglicherweise auf zusätzliche Erkrankungen und Klinikaufenthalte zurückzuführen war – und nicht auf das Delir selbst.

Es stellte sich jedoch heraus: Auch nachdem diese Faktoren statistisch berücksichtigt worden waren, bauten Menschen mit Delir geistig schneller ab als Patienten ohne Delir. Die häufigeren Krankenhausaufenthalte konnten den Zusammenhang also nicht erklären. Das spricht dagegen, dass ein Delir lediglich ein Warnsignal für einen schlechteren Gesundheitszustand ist. Stattdessen könnte es selbst mit den langfristigen Veränderungen der geistigen Leistungsfähigkeit zusammenhängen.

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