Jeder Fünfte profitiert

Dienstag wird es in vielen Geschäften plötzlich still


13.10.2026 – 14:04 UhrLesedauer: 2 Min.

Tofu-Engpass im Supermarkt: Wo normalerweise Vegetarier zugreifen, klaffen bei vielen Händlern derzeit Lücken im Sortiment.

Supermarkt: Einige Personen sind beim Einkaufen überfordert. (Quelle: IMAGO/imageBROKER/Unai Huizi)

Musik aus, keine Durchsagen, weniger Lärm: Dienstag findet der „Tag der nicht sichtbaren Behinderung“ statt. Viele Händler machen mit einer besonderen Aktion mit.

Am 20. Oktober findet zum dritten Mal der „Tag der nicht sichtbaren Behinderung“ statt. Bei dem Aktionstag soll auf Menschen aufmerksam gemacht werden, für die beispielsweise Lärm, Licht, Gerüche, Enge und/oder Erwartungsdruck zu einer großen Barriere werden. Also auf Menschen mit Neurodivergenz. Aufgrund ihrer Beeinträchtigung meiden sie, sofern möglich, öffentliche Einrichtungen wie Geschäfte, Praxen oder gar Behörden.

Was ist Neurodivergenz?

Bekannte Arten der Neurodivergenz sind Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), Autismus-Spektrum-Störung (ASS) oder Tourette-Syndrom. Aber auch Menschen mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche (Dyslexie/Legasthenie), Rechenschwäche (Dyskalkulie) oder Hochbegabung können sich von zu vielen Sinneseindrücken überfordert fühlen.

Schätzungen zufolge zählen in Deutschland etwa 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung zu neurodivergenten Gruppen.

Was ist am 20. Oktober anders?

Um diese Personenkreise zu entlasten, wird es in einigen Supermärkten, Discountern, Möbelhäusern oder Baumärkten eine sogenannte „Stille Stunde“ geben. Das heißt, dass um eine bestimmte Uhrzeit die Einrichtungen für eine Stunde auf nicht sicherheitsrelevante Durchsagen, Hintergrundmusik und lärmintensive Tätigkeiten verzichten. Auch Kassengeräusche werden reduziert. Außerdem sollen während der „Stillen Stunde“ keine Waren eingeräumt und sortiert werden. Denn dieses kann Lärm verursachen und/oder die Gänge versperren oder verengen.

Dauerhaftes Angebot

Einige Händler bieten ihren Kunden in einzelnen Filialen auch regelmäßig eine „Stille Stunde“ an – etwa an bestimmten Wochentagen. Dazu zählen Rewe, Telekom, Denn’s Biomarkt, Ikea, Globus und Edeka. Auch einige Weihnachtsmärkte hatten in den vergangenen Jahren entsprechende Aktionen.

Auf der offiziellen Seite des Vereins Gemeinsam zusammen e. V., der die „Stille Stunde“ initiiert, können Interessierte einsehen, welches Geschäft in ihrer Nähe an der Aktion teilnimmt.

Ursprung in Neuseeland

Nicht nur Menschen mit Neurodivergenz sollen von der „Stillen Stunde“ profitieren. Auch ältere Menschen oder generell Kunden, die eine ruhigere Einkaufsumgebung bevorzugen, sollen die „Stille Stunde“ nutzen können. Die Idee hinter der „Stillen Stunde“ oder auch „Quiet Hour“ stammt ursprünglich aus Neuseeland.

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