Bis zu 277 Euro
Einspeisevergütung: Abschaffung kostet Eigentümer viel Geld
30.06.2026 – 13:37 UhrLesedauer: 3 Min.

Katherina Reiche will die Einspeisevergütung für kleine Solaranlagen in Deutschland streichen. Eine neue Analyse kommt zu dem Schluss, dass die Alternativen aber noch nicht reif sind.
Statt einer festen Einspeisevergütung für den selbst auf dem Dach erzeugten Solarstrom sollen Eigentümer nach dem Willen von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) künftig ihren Strom über die sogenannte Direktvermarktung verkaufen. Das bedeutet, dass Eigentümer einen Vertrag mit einem Dienstleister abschließen, der ihren Strom dann an der Strompreisbörse verkauft. Dafür erhebt dieser dann eine Vermarktungsgebühr. Der Ertrag abzüglich dieser Gebühr wird den Eigentümern dann gutgeschrieben. Alternativ können Eigentümer den Strom zu 100 Prozent selbst verbrauchen.
Doch damit das klappt, müssen erst die Prozesse etabliert werden – und nach einer Analyse der Denkfabrik Agora Energiewende viel günstiger werden. Der Gesetzesentwurf von Reiche, der zurzeit noch innerhalb der Bundesregierung abgestimmt wird, sieht dafür eine Übergangszeit von zwei Jahren vor, also bis 2029. Zwischen 2027 und 2029 soll es eine Übergangslösung geben, die schon heute für Solaranlagen gilt, die über 20 Jahre alt sind und dadurch die garantierte Einspeisevergütung der Betreiber ausgelaufen ist. Wie genau die Vergütung für solche Anlagen geregelt ist, lesen Sie hier nach.
Direktvermarktung für Solarbesitzer noch zu teuer
Doch nach Berechnungen von Agora Energiewende reicht diese Übergangsfrist nicht aus. Aus ihrer Sicht seien die Vermarktungsgebühren in der Anfangsphase zu hoch, als dass sie für Eigentümer wirtschaftlich attraktiv sind. Statt der heute rund 140 Euro pro Jahr seien eher 50 Euro nötig, damit sich der Betrieb einer privaten Solaranlage noch lohne. Agora Energiewende schlägt stattdessen vor, die Einspeisevergütung um weitere drei Jahre bis 2030 zu verlängern und dann direkt in die Direktvermarktung einzusteigen.
Den Berechnungen zufolge würde eine Solaranlage auf einem Bestandshaus für einen Vierpersonenhaushalt ohne Einspeisevergütung Mehrkosten von zwischen 185 und 277 Euro im Jahr verursachen. Die Berechnungen beziehen sich auf den Vergleich zum heutigen System mit fester Solarförderung. Die Wirtschaftlichkeit verbessert sich je nachdem, wie viel des Solarstroms der Haushalt selbst verbrauchen kann. Der Denkfabrik zufolge bedeutet das, dass sich der Bau einer Solaranlage in Zukunft nur noch dann lohnt, wenn man mehrere Großverbraucher wie Wärmepumpe und ein E-Auto im Haushalt hat. Damit dürfte der Bau einer Solaranlage vor allem für untere Einkommensgruppen deutlich unattraktiver werden.
„Kleine PV-Dachanlagen stehen an der Schwelle zur Wirtschaftlichkeit. Doch die vom Gesetzgeber vorgesehene Direktvermarktung ist derzeit noch komplex und teuer für Privathaushalte“, sagt Julia Bläsius, Direktorin von Agora Energiewende Deutschland. Die Regierung sollte den Gesetzesentwurf so überarbeiten, dass eine Integration der kleinen Solaranlagen in den Markt gut vorbereitet werden könne und sich günstige Angebote etablieren. „Wichtig dafür ist, den zweiten Schritt nicht vor dem ersten zu machen: Erst mal müssen die Voraussetzungen geschaffen werden, dann können sich wirtschaftlich attraktive Angebote bilden.“