Ein einzelner Drink kostet in der Entwicklung rund tausend Euro. Das erklärt auch den Preis auf der Karte – siebzehn, achtzehn Euro für einen Signature-Drink, sechzehn für Klassiker.
Das Geschäft ist zudem erklärungsintensiv, an einem guten Samstagabend arbeiten bis zu sechs Menschen im „Bohemian“. 200 bis 250 Gäste gehen durch den Laden, aufgeteilt auf Slots von anderthalb Stunden. Das ist eine Vierfachbelegung bei sechzig bis siebzig Sitzplätzen. Dazu kommt: Die Karte ist zu rund 90 Prozent alkoholfrei umsetzbar – ein Anteil, der bewusst hochgehalten wird und mittlerweile 15 bis 20 Prozent des tatsächlichen Umsatzes ausmacht.
Dass die Preise in einer Stadt wie Hamburg mittlerweile fast normal sind, glaubt Engel nicht zuletzt aufgrund der Reaktionen seiner Gäste. „Eine Person in zwei Monaten diskutiert über unsere Preise“, sagt er. Das sei für eine Bar in diesem Segment wenig. Und vielleicht liegt es daran, dass das „Bohemian“ sich längst zu einem Hamburger Tourismusziel entwickelt hat, so wie das Miniatur Wunderland oder ein Abend bei Tim Mälzer.
60 bis 70 Prozent der Gäste sind Touristen. Sie kommen aus ganz Deutschland, aus Europa, aus aller Welt. Und sie kommen, weil ihnen jemand erzählt hat, dass hier etwas passiert, das anderswo nicht passiert.
Die Deichstraße, in der das „Bohemian“ seine Heimat gefunden hat, ist ein seltsamer Ort. Nur ein paar Hundert Meter lang, eingekeilt zwischen Rathaus und Hafencity, am Nikolaifleet gelegen – historische Kulisse und touristische Ader zugleich. Als die Barbetreiber 2021 herzogen, war es eine B-Lage. „Normale Hamburger liefen hier nicht durch“, sagt Engel.
Das hat sich verändert: Co-Working-Spaces, die „Whiskybar“ nebenan, mehr Restaurants – sie alle ziehen auch Einheimische an. Das Fleet schimmert durch die alten Fachwerke. Nur 700 Meter entfernt steht die Elbphilharmonie. Im Sommer sieht man sie von der Terrasse aus, während man einen Cocktail schlürft.
In diesem historischen Rahmen arbeitet das „Bohemian“ mit Kontrasten. Die Einrichtung: über 300 Hängeleuchten, die einen langen, eher dunklen Raum warm modellieren. Samtsessel, goldene Akzente, ein großflächiges Bild an der Wand. Auf einer Empore der Tresen, dahinter der beste Platz im Haus – vier Stühle am VIP-Tisch, heiß begehrt. Im zweiten Stock, auf der anderen Straßenseite, ein Tasting-Room mit Fleetblick, in dem Cocktailkurse stattfinden, Firmenevents und das Shake-and-Eat-Format, das Kursus, Wettbewerb und Dinner in einem verbindet.
