Leer stehende Geschäfte kommen im Pilcher-Kosmos nicht vor

Die tendenziell älteren Besucherinnen und Besucher kommen wohl in erster Linie, um die Landschaft im englischen Südwesten einmal mit eigenen Augen zu sehen. Wilde Rosen und zerklüftete Felsküsten, urige Cottages und verwitterte Feldsteinmauern – diese Szenerie ist in der Realität genauso schön wie auf dem Bildschirm.

Allerdings fällt auch auf, was im Pilcher-Kosmos ausgeblendet wird: Die Mehrheit der Bevölkerung verbringt ihr Dasein nicht gerade in Herrenhäusern. Cornwall ist eine der ärmsten Regionen des Landes. Wenn man von den Hauptgeschäftsstraßen in den Touristenorten nur ein klein wenig abzweigt, bilden oft leer stehende Ladenlokale und heruntergekommene Wohnhäuser die Kulisse.

Auffällig oft sieht man auf öffentlichen Neubauten noch den Hinweis „Realisiert mit Mitteln aus dem Europäischen Entwicklungsfonds“. Doch das ist seit dem Brexit Vergangenheit. Warum die Einwohner von Cornwall 2016 trotz jährlichen 100 Millionen Pfund Fördergeldern aus Brüssel und starker Abhängigkeit vom Tourismus mit deutlicher Mehrheit für den Austritt gestimmt haben, bleibt wohl auf ewig ihr Geheimnis.

Praktisch alle Orte, die in den vergangenen Jahrzehnten in den Pilcher-Filmen zu Ehren gekommen sind, lohnen einen Besuch. Nicht wenige liegen in der benachbarten Grafschaft Devon, etwa das karge Naturgebiet Dartmoor oder der pittoreske Segelhafen Dartmouth.

Naturgebiet Dartmoor: Auch dieser Ort diente bereits als Filmkulisse. (Quelle: Joana Kruse/imago-images-bilder)

Royale Stippvisite

Und es kann sogar geschehen, dass plötzlich eine Limousine vorfährt und King Charles und Queen Camilla aussteigen. Sie winken den Urlaubern zu, diese winken zurück. Am Ende übergibt ein kleines Mädchen einen Strauß, ein General salutiert – und dann geht’s für das Königspaar auch schon weiter.

Der nahe Golfstrom schenkt Cornwall ein palmenfreundliches Klima. Das lässt nicht nur viele Privatgärten geradezu subtropisch aussehen, sondern inspirierte wohl auch Cornwalls Haupttouristenattraktion: das Eden Project – ein ganzer Regenwald unter Kunststoffkuppeln, mitgegründet von Musikproduzent Tim Smit und Drehort für den Rosamunde-Pilcher-Film „Land der Sehnsucht“.

Auftritt für Harald Schmidt

Und dennoch fehlt noch etwas vom echten Rosamunde-Pilcher-Flair. Wo sind die Herren im Tweed-Sakko und die Frauen mit Sommerhut? Die gibt es durchaus, aber wer in ihre Reihen vordringen will, muss sich das ein bisschen was kosten lassen.

Etwa eine Übernachtung in „Fowey Hall“ in der Kleinstadt Fowey, einem Herrenhaus mit grandiosem Ausblick aufs Meer, das sich kinderfreundlich gibt. Der Frühstückssaal ist morgens um 8 Uhr erfüllt von den Stimmen der Allerkleinsten, assistiert von ihren nicht ganz ausgeschlafen wirkenden Eltern. Gegen 9 Uhr folgen dann die Familien mit älteren Kindern.

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