Auch bei den kleineren Parteien bleibt es spannend. Die Fünf-Prozent-Hürde bekommt besondere Bedeutung. Die FDP könnte erstmals in ihrer Geschichte aus dem Landtag fliegen – ausgerechnet in Baden-Württemberg, ihrem Stammland, in dem sie seit mehr als 70 Jahren vertreten ist. In den Umfragen lag sie zuletzt bei etwa sechs Prozent.

Die Linke wiederum könnte erstmals überhaupt den Sprung in den baden-württembergischen Landtag schaffen, muss aktuellen Umfragen zufolge aber zittern. Die AfD dürfte stärkste Oppositionskraft werden – eine Zusammenarbeit mit ihr schließen alle anderen Parteien aus. Und auch die SPD steht unter Druck: In den Umfragen blieb sie zuletzt konstant einstellig, das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte im Südwesten droht.

Erstmals dürfen in Baden-Württemberg auch 16- und 17-Jährige ihre Stimme abgeben. Zigtausende junge Wählerinnen und Wähler kommen damit neu hinzu. Insgesamt sind rund 7,7 Millionen Menschen wahlberechtigt – so viele wie nie zuvor, wie das Statistische Landesamt mitteilt. Welche Auswirkungen die neuen jungen Stimmen auf das Ergebnis haben werden, ist offen.

Hinzu kommen neue Regeln für die Mandatsverteilung. Die Wählerinnen und Wähler haben nun zwei Stimmen – ähnlich wie bei der Bundestagswahl. Mit der Erststimme wird ein Wahlkreiskandidat oder eine -kandidatin direkt gewählt. Mit der Zweitstimme entscheiden die Bürger über eine Partei. Sie ist maßgeblich für die Kräfteverhältnisse im Landtag. Die Parteien stellen dafür Landeslisten auf, über die Kandidatinnen und Kandidaten ins Parlament einziehen können.

Die wirtschaftliche Lage verleiht der Wahl zusätzliche Brisanz. Baden-Württemberg gilt als industrielles Herz Deutschlands – und ist stark von der Autoindustrie abhängig. Der tiefgreifende Strukturwandel trifft das Land daher besonders hart. Tausende Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel, ganze Regionen blicken mit Sorge in die Zukunft.

Entsprechend rückte Wirtschaftspolitik ins Zentrum des Wahlkampfs: Es ging um Standortfragen, um den Erhalt von Arbeitsplätzen, um Bürokratieabbau. CDU-Spitzenkandidat Hagel tourte unermüdlich von Mittelständler zu Mittelständler. „Wir können Auto“, sagte sein grüner Rivale Özdemir – und zeigte sich offen für eine Verschiebung des Verbrennerverbots. Die CDU wirft den Grünen nun vor, plötzlich ihre Liebe zum Auto entdeckt zu haben.

Nicht zuletzt hat der Sonntagabend noch eine bundespolitische Strahlkraft. Die Landtagswahl in Baden-Württemberg ist die erste von fünf in einem dichten Superwahljahr 2026 – damit kann sie Signalwirkung entfalten, die weit über die Landesgrenzen hinausreicht. Die Strategen in den Parteizentralen in Berlin schauen genau hin, was im Südwesten passiert.

Share.
Exit mobile version