Hunderte Proben analysiert
Forscher finden neuen möglichen Auslöser für Darmkrebs
23.02.2026 – 10:11 UhrLesedauer: 3 Min.
Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebsarten, doch oft bleibt unklar, was ihn auslöst. Nun haben Forscher ein bislang unbekanntes Virus entdeckt, das bei Betroffenen deutlich häufiger vorkommt.
Darmkrebs zählt in der westlichen Welt zu den häufigsten Krebserkrankungen und stellt eine der führenden Ursachen für krebsbedingte Todesfälle dar. Alter, Ernährung und Lebensstil gelten als wichtige Risikofaktoren. Dennoch lässt sich in vielen Fällen nicht genau erklären, warum die Krankheit entsteht. Deshalb richtet sich der Blick der Forschung zunehmend auf den Darm – genauer gesagt: auf das sogenannte Mikrobiom. Damit bezeichnen Fachleute die Gesamtheit aller Mikroorganismen wie Bakterien, Viren und Pilze, die im Darm leben.
Ein Team der Universität Süddänemark und des Universitätsklinikums Odense hat ein bisher unbekanntes Virus identifiziert, das mit Darmkrebs in Zusammenhang stehen könnte. Die Wissenschaftler fanden es in dem Darmbakterium Bacteroides fragilis. Dieses Bakterium kommt bei den meisten gesunden Menschen vor, wurde aber in früheren Studien wiederholt mit Darmkrebs in Verbindung gebracht.
„Es ist ein Paradox, dass wir immer wieder das gleiche Bakterium bei Darmkrebs finden, obwohl es zugleich ein völlig normaler Bestandteil des Darms gesunder Menschen ist“, sagte Flemming Damgaard vom Universitätsklinikum Odense laut Mitteilung. Sein Team untersuchte deshalb, ob sich innerhalb des Bakteriums Unterschiede feststellen lassen.
Die Forscher entdeckten dabei ein Virus, das bisher nicht beschrieben wurde. Es handelt sich um einen sogenannten Bakteriophagen. So nennen Experten Viren, die Bakterien befallen. Der Phage lebt im Inneren des Bakteriums und kann dessen Eigenschaften verändern. Nach Angaben des Teams gehört er zu neuen Typen innerhalb der Virusklasse der Caudoviricetes.
Den Ausgangspunkt bildeten Daten aus einer großen dänischen Bevölkerungsstudie mit rund zwei Millionen Bürgern. Die Studienautoren identifizierten Patienten, die eine schwere Blutvergiftung durch Bacteroides fragilis erlitten hatten. Ein Teil dieser Betroffenen erhielt innerhalb weniger Wochen die Diagnose Darmkrebs.
Anschließend analysierte das Team das Erbgut der Bakterien aus Proben von Patienten mit und ohne Krebs. Dabei zeigte sich ein klares Muster: Bei späteren Darmkrebspatienten trugen die Bakterien deutlich häufiger bestimmte Viren.
Um zu prüfen, ob dieser Zusammenhang auch außerhalb Dänemarks besteht, untersuchten die Forscher Stuhlproben von 877 Personen mit und ohne Darmkrebs aus Europa, den USA und Asien. Auch hier zeigte sich: Menschen mit Darmkrebs wiesen etwa doppelt so häufig Spuren dieser Viren im Darm auf wie gesunde Vergleichspersonen.
Die Studie zeigt eine statistische Verbindung zwischen dem Virus und Darmkrebs. Sie beweist jedoch nicht, dass das Virus die Krankheit verursacht. „Wir wissen noch nicht, ob das Virus eine ursächliche Rolle spielt oder lediglich ein Anzeichen dafür ist, dass sich etwas anderes im Darm verändert hat“, so Damgaard.
