Zu spät, zu teuer, zu kaputt?
Das sind die größten Probleme bei der Deutschen Bahn
Aktualisiert am 29.07.2026 – 12:57 UhrLesedauer: 4 Min.
Am Donnerstag legt die Deutsche Bahn ihre Halbjahreszahlen vor. Der Konzern steckt in einer Dauerkrise und kämpft an mehreren Fronten gleichzeitig. Ein Überblick über die größten Probleme.
Das öffentliche Bild der Deutschen Bahn ist mehr als angekratzt – zu unzuverlässig fahren die Züge, zu oft werden Anschlüsse verpasst. Erst für Anfang bis Mitte der 2030er Jahre rechnet der Konzern wieder damit, dass mehr als 80 Prozent der Fernzüge pünktlich unterwegs sind, weil die marode Infrastruktur bis dahin die Züge ausbremst.
Auch wirtschaftlich lief es zuletzt nicht gut. Für 2025 wies der Staatskonzern unter dem Strich einen Verlust von rund 2,3 Milliarden Euro aus. Die Spielräume sind also begrenzt und aktuell ist zu erwarten, dass der Bund in den nächsten Jahren eher weniger als noch mehr Geld bereitstellen wird. Trotz allem steigen die Fahrgastzahlen. Am Donnerstag stellt die Bahn ihre Halbjahresbilanz vor. Sie zeigt erneut die Probleme, vor denen Bahnchefin Evelyn Palla steht.
Wie stand es zuletzt um die Pünktlichkeit?
Im Juni wurden lediglich 52,6 Prozent der Fernverkehrshalte rechtzeitig erreicht. Bei der Bahn bedeutet das: mit maximal 5:59 Minuten Verspätung. Auch im Vergleich zu den dürftigen Werten der Vormonate ist das eine auffallend schlechte Quote. Ausgefallene Züge werden in dieser Statistik nicht berücksichtigt. Für das laufende Jahr hatte die Bahn zuletzt eine Pünktlichkeit von mindestens 60 Prozent angestrebt.
Als Grund für die Unpünktlichkeit gibt der Konzern vor allem die marode Infrastruktur und die vielen Baustellen im Netz an, mit denen sich der Zustand Stück für Stück bessern soll.
Wann werden Netzzustand und Pünktlichkeit wieder besser?
Zuletzt schaffte es der Konzern damit lediglich, dass der Netzzustand nicht noch schlechter wurde. Bis es wirklich besser wird, dürfte es noch einige Jahre dauern. Das Schienennetz wurde über Jahrzehnte nicht ausreichend finanziert und in Schuss gehalten. Das rächt sich nun. Die Bahn hat sich zum Ziel gesetzt, dass die Lage zum 200-jährigen Jubiläum der Eisenbahn in Deutschland im Jahr 2035 wieder deutlich besser ist. „Eine Bahn, die stolz macht, ist keine Utopie, sondern Anspruch und Ansporn für jeden Tag“, sagte Palla dazu kürzlich.
Sind für diese lange Zeit schon alle Vorbereitungen getroffen?
Nein. Wie viel Geld in das Netz investiert wird, wird im Rahmen der Haushaltsverhandlungen des Bundes jedes Jahr neu diskutiert. „Der Bund muss endlich eine verlässliche Finanzierung über mehrere Jahre aufbauen, wie es etwa in der Schweiz seit vielen Jahren der Fall ist“, sagte jüngst Dirk Flege, Geschäftsführer des Interessenverbands Allianz Pro Schiene.
Einer Berechnung des Verbands zufolge hat der Bund 2025 etwas mehr als 220 Euro pro Kopf in die Schieneninfrastruktur investiert. Flege geht davon aus, dass dieser Wert 2026 übertroffen wird, das Niveau aber dann nicht gehalten werden kann. Die aktuellen Pläne der Bundesregierung sähen eine Kürzung der Investitionen im Jahr 2027 um 1,3 Milliarden Euro im Vergleich zu 2026 vor.
