Wer regiert ab Herbst Sachsen-Anhalt? Ministerpräsident Sven Schulze muss eine Mehrheit gegen die starke AfD erkämpfen. Ein Gespräch über einen schwierigen Wahlkampf.

Die ersten Termine hat Sven Schulze schon hinter sich, als er um 8.30 Uhr zum Interview kommt. Jacket unter dem Arm, Knopf im Ohr, etwas abgehetzt. Seine Abende sind zurzeit lang, seine Morgen gehen früh los. Der Ministerpräsident muss Sachsen-Anhalt gerade nicht nur regieren. Er will verhindern, dass sein Land im Herbst Geschichte schreibt. Und zwar keine positive, so sieht nicht nur er das.

Deutschland wird genau auf Sachsen-Anhalt schauen, wenn dort am 6. September ein neuer Landtag gewählt wird. Die rechtsextreme AfD liegt hier in Umfragen gerade deutlich vor der CDU und könnte womöglich zum ersten Mal überhaupt regieren. Sven Schulze will das verhindern und in den nächsten Wochen aufholen. Wie er das trotz schwieriger Umstände schaffen will, erklärt Sven Schulze im Gespräch mit t-online.

t-online: Herr Schulze, der Bundeskanzler steht so stark in der Kritik wie selten zuvor. Wie oft werden Sie im Wahlkampf auf Ihre Pläne für Sachsen-Anhalt angesprochen und wie oft auf Friedrich Merz?

Sven Schulze: In den vergangenen Wochen wurden wir tatsächlich viel auf Bundesthemen angesprochen. Wir werden uns jetzt aber wieder stärker auf unsere Themen in Sachsen-Anhalt konzentrieren.

Können Sie die heftige Kritik an Friedrich Merz aus der CDU nach der Personalrochade nachvollziehen?

Es geht hierbei nicht um Kritik an einer Person, sondern um Reformen und die Frage, ob es in Deutschland schnell genug vorangeht. Darüber rede ich selbstverständlich mit den Menschen, wenn sie mich darauf ansprechen. So verstehe ich meinen Job: Den Menschen zuhören, sie verstehen und Ihnen dann Lösungen bieten. Aber das kann ich als Ministerpräsident in erster Linie für Landesthemen.

Sie sagen selbst: Der Bund hat Auswirkungen. Die Lage scheint ernst. Es gibt viele in der CDU, die nicht mehr glauben, dass Friedrich Merz die komplette Wahlperiode als Kanzler durchhält. Gehören Sie dazu?

Nein. Definitiv nicht. Ich will alles dafür tun, dass die Bundesregierung und Friedrich Merz erfolgreich sind. Auch wenn das mal bedeutet, dass man unterschiedlicher Meinung ist. Das ist aber nicht mein Thema. Ich kämpfe dafür, dass Sachsen-Anhalt eine gute Zukunft hat. Ich bin überzeugt, dass die Bundesregierung die aktuellen Herausforderungen weiter angeht.

Sven Schulze. (Quelle: IMAGO/imago)

Zur Person

Sven Schulze, 47 Jahre, ist seit Januar Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. Er hat das Amt von Reiner Haseloff nach dessen Rücktritt übernommen. Seit 2021 ist Schulze Landesvorsitzender der CDU und war vor seinem Wechsel in die Staatskanzlei zugleich Wirtschaftsminister. Von 2014 bis 2021 saß er für die CDU im Europaparlament. Schulze ist verheiratet und hat drei Kinder.

Sie machen hier in Sachsen-Anhalt einen sehr unaufgeregten Wahlkampf. „Fünf Versprechen, mehr kriegt ihr nicht. Die kriegt ihr aber wirklich“, heißt es auf einer Wahlwerbung von Ihnen. Haben Sie Angst, zu viel zu versprechen?

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