Auf den ersten Blick würde man schnell sagen: Erfahrene Beamte, geschult genau für diese Einsätze, müssten doch anders handeln können, als die Tatperson zu erschießen. Ich bin vorsichtig und würde auch hier die Ermittlungen abwarten – bei jedem Schusswaffeneinsatz von Polizisten wird standardmäßig ein Verfahren eröffnet. Mir kommen schnell mindestens zwei Situationen in den Sinn, die das Handeln der Polizisten gerechtfertigt erscheinen lassen: Entweder, der Täter kam aus dem Hinterhalt, aus einem Versteck, und das Areal war unübersichtlich. Oder die Beamten mussten so reagieren, weil unklar war, ob es noch weitere Tatpersonen gibt. Und wenn man dann in einem solchen Einsatz plötzlich zwei, drei Personen gegenübersteht, kann es schnell der Fall sein, dass auch ein Beamter verletzt wird.
Im Video | Internet-Star wehrt sich gegen Anschlag-Vorwürfe
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Abdul Ballout wurde in Deutschland zu einer Jugendstrafe verurteilt, weil er sich dem IS in Syrien anschließen wollte. Unter Auflagen kam er nach dem Urteil jedoch zunächst auf freien Fuß. Er musste unter anderem an einem Deradikalisierungskurs teilnehmen. Für wie sinnvoll halten Sie solche Kurse?
Ein gescheiterter Fall darf jetzt nicht dazu führen, dass solche Programme pauschal infrage gestellt werden; sie haben schon in zahlreichen Fällen Erfolg gezeigt und damit Gewalt verhindert. Deradikalisierung geschieht nicht per Knopfdruck. Menschen haben sich über Jahre hinweg radikalisiert, sie haben sich eine entsprechende Identität aufgebaut. Diese Identität durch eine andere zu ersetzen, dauert mindestens genauso lange. Wichtig ist, dass es bei den Programmen nicht immer darum geht, dass sich Menschen vollständig von ihren radikalen Gedanken lösen. Sie sollen sich aber von der Idee lösen, diese mit Gewalt durchzusetzen. Dies wird auch als Dis-Engagement bezeichnet. Und das gelingt durchaus, weil Menschen einsehen, dass sie sich selbst schaden, wenn sie so handeln. Aber wie bei jedem Straftäter auch: Der Weg zum deliktfreien Leben kann nicht einfach verordnet werden. Es handelt sich um Arbeit, die ein Täter, die den Täter begleitende Psychologen und Sozialarbeitende und auch das soziale Umfeld des Täters leisten müssen.
Was hätte in diesem Fall aus Ihrer Sicht anders laufen müssen, um einen solchen Anschlag zu verhindern?
Es gibt jetzt viele Stimmen mit klugen Ratschlägen, die den Behörden massives Versagen vorwerfen und fordern, dass man solch einen Menschen nie zu einer Bewährungsstrafe hätte verurteilen sollen. Ich bin hier deutlich zurückhaltender. Natürlich: Wenn man alle Gefährder wegsperrt, reduziert man die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas passiert. Ein Restrisiko bleibt dennoch. Und auch die Rechtsstaatlichkeit mit individuellen Freiheitsrechten ist zu achten. Bevor ich kluge Ratschläge gebe, warte ich besser die Ermittlungsergebnisse ab. Ich zweifle daran, dass diese ergeben werden, dass genau die eine Entscheidung oder die eine Person zu diesem traurigen Ereignis geführt hat.









