Forschung im Weltall
Charité schickt Stromanzug auf die ISS – hält er Muskeln fit?
26.08.2026 – 04:32 UhrLesedauer: 2 Min.
Berliner Forscher testen im Weltall, ob elektrische Muskelstimulation den Körper besser schützt als Sport allein. Die erste Studienteilnehmerin trainiert bereits.
Forschende der Charité Berlin testen auf der Internationalen Raumstation ISS einen Ganzkörper-Stimulationsanzug gegen Muskelschwund in der Schwerelosigkeit. Das teilte das Universitätsklinikum mit.
Astronauten trainieren auf der ISS bereits bis zu 2,5 Stunden täglich – und verlieren trotzdem Muskel- und Knochenmasse, heißt es von der Charité. Ohne Erdanziehungskraft fehle der Grundreiz, den selbst alltägliche Bewegungen auf der Erde erzeugen. Das bisherige Sportprogramm gleiche diesen Verlust nicht vollständig aus.
Astronautin trainiert mit Anzug seit einigen Wochen
Genau hier setzt die Berliner Studie EasyMotion-2 an. Der Anzug trägt eingearbeitete Trockenelektroden, die per App gezielt einzelne Muskelpartien mit Stromimpulsen versorgen. Die Impulse lassen Muskeln kontrahieren und erhöhen deren Grundspannung – der Trainingsreiz steigt. Das Verfahren ist als elektrische Muskelstimulation, kurz EMS, bekannt und kommt auf der Erde bereits in Physiotherapie und Sport zum Einsatz.
Erste Teilnehmerin ist die französische ESA-Astronautin Sophie Adenot. Seit dem 17. Juli trainiert sie mehrmals wöchentlich sechs Wochen lang mit dem Anzug. Vor und nach jeder Einheit misst sie die biomechanische Beschaffenheit ihrer Muskulatur. Schon vor dem ISS-Start hatten Charité-Forschende ihre Muskelstruktur per MRT dokumentiert und ihre Kraft gemessen. Dieselben Untersuchungen stehen nach ihrer Rückkehr an – die für Oktober geplant ist.
Weitere Astronauten sollen Anzug testen
Studienleiter Dieter Blottner vom Institut für Integrative Neuroanatomie will die Effekte bei mindestens acht ISS-Besatzungsmitgliedern untersuchen. Die Deutsche Raumfahrtagentur im DLR hat die Studie beauftragt. Blottner verwies darauf, dass eine Marsmission rund zwei Jahre dauern würde – effizienteres Muskeltraining im All sei deshalb unumgänglich.
Ergebnisse werden erst in einigen Jahren vorliegen. Bewährt sich EMS im All, könnte das Verfahren laut Charité auch auf der Erde bei Muskelschwund und in der Rehabilitation helfen.