„Sie sind ja richtig außer sich“

Am Mittwochabend war bekanntgeworden, dass Deutschland beim Leopard2-Hersteller, dem Rüstungskonzern KNDS, einsteigt und sich mit 40 Prozent an dem deutsch-französischen Unternehmen beteiligt. Nach diesem Deal fragte Lanz seine Gäste in der Sendung nicht. Es war unklar, ob die Sendung möglicherweise vor Bekanntwerden der Nachricht aufgezeichnet worden ist.

Ansonsten lieferten sich die beiden Ex-Militärs bei Lanz eine streckenweise vor allem von Vad lautstark geführte Auseinandersetzung. „Schreien Sie doch nicht. Sie sind ja richtig außer sich“, sagte Kiesewetter an einer Stelle. Beide Kontrahenten wurden im Streit persönlich und warfen sich gegenseitig bösartige Unterstellungen vor. Kiesewetter behauptete, Vad habe die Ukraine bereits vor vier Jahren aufgegeben, habe mit all seinen Einschätzungen falsch gelegen und dass dem Ex-Merkel-Berater das Schicksal der Menschen in dem Land egal sei.

Vad seinerseits warf dem Obmann im Auswärtigen Ausschuss vor, Deutschland mit in Richtung Kriegspartei zu treiben. „Wir werden, wenn wir so weitermachen, in einem Krieg mit Russland landen“, warnte er. Kiesewetter betrachte alles aus ukrainischer Sicht: „Herr Kiesewetter, Sie wären ein super ukrainischer Verteidigungsminister., so Vad.

„Markus Lanz“ zum Ukrainekrieg

„Wenn es einen europäischen Krieg gibt, läuft der in unserem Land“, sagte Vad und sprach von einer deutschen Sonderstellung als logistische Drehscheibe der Nato. „Sie überbewerten Deutschland“, konterte Kiesewetter und warf Vad vor, in der Bevölkerung und bei den Nachbarstaaten Angst zu verbreiten.

Unterschiedlicher Ansicht waren die beiden Ex-Militärs auch bei der Frage von Lanz, wie Europa an möglichen Verhandlungen über einen Waffenstillstand in der Ukraine beteiligt werden sollte. Vad meinte, als zentrale Macht in Europa müsse eigentlich Deutschland in Gestalt von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) mit Russland und den USA am Tisch sitzen. Kiesewetter wollte hingegen die Europäische Union vertreten sehen, etwa durch die Außenbeauftragte Kaja Kallas oder Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Sie sollten dafür sorgen, dass die Ukraine nicht unter die Räder gerate.

Kiesewetter sprach sich in diesem Zusammenhang erneut für einen EU-Beitritt der Ukraine aus. Vad lehnte dies strikt als „hochgefährlich“ ab. Damit hole man den Konflikt mit Russland hinein nach Europa. Vads Forderung, die deutsche Aufrüstung als Druckmittel zu nutzen, um wieder eine beiderseitige Abrüstung zu erreichen, stieß wiederum bei Kiesewetter auf Kritik. Genau das habe die Nato von 2017 bis 2024 getan, indem nach der Stationierung russischer nuklearfähige Kurzstreckenraketen in Kaliningrad nicht nachgezogen worden sei. Die Nato habe Russland damit ein Angebot gemacht, auf das Russland aber nicht reagiert habe.

Die Drohnenexpertin und Volljuristin Verena Jackson von der Universität der Bundeswehr München erläuterte bei „Markus Lanz“, wie wahnsinnig schnell der Fortschritt bei der Kriegsführung mit Kampfdrohnen voranschreite. Im Iran sei ein US-System zum Einsatz gekommen, das in einer Stunde eigenständig 1.000 Ziele identifizieren anvisieren könnte. Noch müssten Schläge am Ende immer von einem Menschen freigegeben werden. Das sei aber wohl auch nur eine Frage der Zeit, befürchtete Lanz.

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