Aktuell sind es mehr als 90
CDU-General: „Zehn Krankenkassen in Deutschland reichen“
14.04.2026 – 19:27 UhrLesedauer: 3 Min.
CDU-Generalsekretär Linnemann fordert weniger Krankenkassen. Warum er weniger Kassen für ausreichend hält und welche Reformen er noch vorschlägt.
CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann hat sich für eine deutliche Reduzierung der Zahl der Krankenkassen ausgesprochen. Deutschland habe das teuerste Gesundheitssystem und gleichzeitig eines der ineffizientesten, sagte er in der Sendung „Frühstart“ von RTL/ntv. „Wir haben immer noch über 90 Krankenkassen, die in der Regel die gleichen Leistungen anbieten. Riesen Verwaltungsvolumen, da müssen wir ran. Mindestens die Hälfte. Ich finde, zehn Krankenkassen in Deutschland reichen.“
Auf die Frage, wie er eine solche Reduzierung durchsetzen wolle, sagte Linnemann, man könne zum Beispiel eine Schwelle bei der Zahl der Mitglieder setzen, etwa bei 200.000 oder 250.000. „Ich habe nichts gegen Wettbewerb, aber so richtigen Wettbewerb gibt es nicht unter den Krankenkassen. Die Leistungen sind gleich.“ Angesprochen darauf, dass diese Forderung zu Verwerfungen mit den Krankenkassen führen könne, sagte Linnemann: „Das ist mir völlig egal. Ich bin nicht für die Krankenkassen verantwortlich, sondern für die Volkswirtschaft in Deutschland. Ich bin Volksvertreter.“
Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) äußerte sich vor einer Sitzung der Abgeordneten von CDU und CSU in Berlin skeptisch zu einer zu drastischen Reduzierung der Zahl der Krankenkassen. Früher habe es noch 1.800 Krankenkassen in Deutschland gegeben, jetzt sei man bei 90. Denkbar sei sicherlich, dass es weniger Kassen würden durch Fusionen oder rechtliche Maßnahmen. Dann müssten aber auch die Verwaltungskosten pro Mitglied sinken. „Es nützt nichts, wenn dann große Verwaltungsköpfe entstehen.“
Zudem lebe der Wettbewerb davon, dass Versicherte auch die Chance hätten, zu einer anderen Kasse zu wechseln. Insofern sei eine Größenordnung von deutlich unter 90 Kassen sicherlich erreichbar. Eine oder zwei Kassen sollten es aber auch nicht sein, sagte der frühere Gesundheitsminister.
Auf seinen Vorschlag reagierten die Kassen prompt: „Hier wird mal wieder eine Debatte ohne Hand und Fuß geführt, die an der Realität völlig vorbeigeht“, sagte Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes, dem „Stern“. Linnemann habe offenbar den Bericht der Finanzkommission Gesundheit nicht gelesen. Diese habe herausgearbeitet, dass der Anteil der Verwaltungsausgaben an den Gesamtausgaben seit Jahren sinke. Blatt verwies auch darauf, dass von weit über tausend gesetzlichen Krankenkassen in den 90ern heute nur noch 93 an der Versorgung beteiligt seien.
Kritik kam auch vom Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen. „Wer die aus dem Ruder laufenden Krankenkassenbeiträge durch die Zerschlagung fast aller Kassen therapieren will, hat entweder das Problem nicht verstanden, traut sich die echten Reformen selbst nicht zu oder wirft mit dem Ziel bewusster Täuschung Nebelkerzen.“










