Ob er die Position des Bundeskanzlers verstanden habe, wollte Miosga von Gauck wissen. „Ja“, antwortete dieser. Merz befinde sich in einer schwierigen Lage. Trump habe eine eigenwillige Auslegung des Völkerrechts, aber Deutschland brauche ihn noch. Die Art, wie Merz sich äußere, sei das, was in dieser „hochproblematischen, gespaltenen“ Welt derzeit möglich sei. „Der würde doch auch lieber sagen: ‚Hör mal zu, Alter, jetzt reicht’s'“, so Gauck.
Die Bevölkerung und Europa müssten wieder lernen, sich weniger auf die USA zu verlassen, erklärte Gauck. Menschen nähmen jedoch ungern Lasten auf sich, die sie lange nicht getragen hätten. Deutschland und Europa kämen ihm manchmal vor wie ein gut genährter Mann mit „Bierbäuchlein“ in seinen besten Jahren, der früher einmal Top-Athlet gewesen sei, so der Theologe.
Wenn er nichts ändere, mache das etwas mit der Lebenserwartung, führte er die Metapher fort. Es bestehe jedoch die Möglichkeit, alte Fähigkeiten wiederzugewinnen: Europa müsse sich wieder verteidigen können, um Kriegsbrandstifter wie den russischen Machthaber Wladimir Putin zu stoppen.
Um den Kremlchef ging es auch an anderer Stelle: Miosga fragte Gauck nach seiner persönlichen Begegnung mit Putin. Als Bundespräsident hatte er ihn 2012 empfangen.
„Wie ist er damals mit Ihnen umgegangen?“, wollte die Moderatorin wissen. Das Treffen sei „total diplomatisch und höflich gewesen“, sagte Gauck.
Miosga verwies darauf, dass Gauck als ehemaliger Pastor aus der DDR in Putin auf einen ehemaligen KGB-Agenten getroffen sei. Wie das für ihn gewesen sei, wollte sie wissen. Er habe die Gelegenheit genutzt, beim Hineingehen zu Putin zu sagen: „Wenn wir mal daran denken, wo wir vor 30 Jahren beide waren.“
Auf Miosgas Nachfrage nach der Reaktion des russischen Präsidenten antwortete Gauck: „Er lächelte putinesk.“ Was genau das bedeuten sollte, überließ Gauck der Fantasie der Zuschauer.











