Finanziell verzockt

Gemeinde muss Campingplatz und Therme verkaufen


25.02.2026 – 10:21 UhrLesedauer: 2 Min.

Der Campingplatz Schillig in der Nähe des Strandes: Er gehörte der Gemeinde Wangerland, nun muss sie verkaufen. (Quelle: Kirchner-Media/Wedel via www.imago-images.de)

Eine Gemeinde in Norddeutschland hat sich beim Bau einer luxuriösen Therme finanziell übernommen. Alles ist verloren. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Die niedersächsische Nordsee-Gemeinde Wangerland muss ein finanzielles Fiasko verkraften. Nach der Insolvenz ihrer kommunalen Tourismusgesellschaft, der Wangerland Touristik GmbH (WTG), werden jetzt zentrale touristische Einrichtungen veräußert. Darunter ist auch der Campingplatz Schillig – einer der größten und gefragtesten Campingplätze Deutschlands. Das berichten der NDR und andere regionale Medien.

Die WTG, die vollständig der Gemeinde gehört, hatte im Sommer 2025 Insolvenz angemeldet. Seitdem werden Vermögenswerte verkauft, um die finanzielle Lage zu stabilisieren. Für den Campingplatz Schillig sei ein Bieterverfahren gestartet worden. Zum Verkauf stünden der laufende Betrieb, bestehende Pachtverträge sowie die komplette Ausstattung. Der 42 Hektar große Platz mit rund 1.500 Stellplätzen und direktem Strandzugang gilt als besonders attraktive Anlage an der Nordsee. Der Betrieb läuft derzeit weiter.

Auch weitere Einrichtungen stehen laut verschiedener Medien zum Verkauf. Die benachbarte Friesland-Therme in Horumersiel, ein Thermalbad mit Sauna- und Badebereich, soll ebenfalls einen neuen Betreiber finden. Aus Sicht der Geschäftsführung wäre eine kombinierte Investorenlösung für Campingplatz und Therme wünschenswert, heißt es in der Berichterstattung. Beide Bäder – die Friesland-Therme sowie ein Hallenwellenbad in der Region – mussten im Zuge der Insolvenz schließen, da die laufenden Betriebskosten nicht mehr gedeckt werden konnten.

Während die Campingplätze bei Investoren offenbar auf Interesse stoßen, gestalte sich die Suche nach Käufern für die geschlossenen Bäder schwieriger. Bereits beim Verkauf eines weiteren Campingplatzes im Herbst 2025 sei eine Übernahme des angeschlossenen Freizeitbads nicht zustande gekommen.

Auslöser der finanziellen Schieflage von Wangerland war vor allem der Bau eines Thalasso-Meeres-Spas, mit dem die Gemeinde ihr touristisches Angebot deutlich aufwerten wollte. Ziel war es, zahlungskräftigere Gäste anzuziehen und den Standort im Wettbewerb mit anderen Küstenregionen zu stärken. Anders als vielerorts üblich setzte die Kommune dabei auf einen Eigenbetrieb der Einrichtungen statt auf private Betreiber.

Doch das Vorhaben entwickelte sich zum finanziellen Risiko: Die Baukosten für das Spa stiegen von ursprünglich veranschlagten 8,8 Millionen Euro auf rund 23 Millionen Euro. Diese massive Kostensteigerung belastete die Gemeindefinanzen erheblich und trug maßgeblich zur Insolvenz der WTG bei. Während das fertiggestellte Spa weiter betrieben wird, müssen nun zahlreiche andere Einrichtungen verkauft werden.

Parallel dazu ermittelt die Staatsanwaltschaft Oldenburg gegen einen früheren Verantwortlichen der WTG im Kontext der Insolvenz. Im Raum stehen Vorwürfe der Insolvenzverschleppung, Untreue und Verstöße gegen die Buchführungspflicht.

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