Rückenschmerzen auf der Arbeit
Eine Ursache wird oft übersehen
19.03.2026 – 08:30 UhrLesedauer: 2 Min.
Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden im Alltag. Doch eine Ursache wird dabei von vielen Arbeitnehmern übersehen, sagen Experten.
Telefonate, Tastaturklappern oder das Summen der Lüftung gehören für viele zum Arbeitsalltag. Doch genau diese Geräusche können den Rücken belasten und langfristig Schmerzen verursachen. Darauf weist aktuell die Aktion Gesunder Rücken e. V. hin. Denn nicht der Lärm selbst schade dem Körper, sondern der Stress, den er auslöst.
Geräusche, die das Gehirn als störend bewertet, aktivieren das sogenannte Stresssystem. Dabei schüttet der Körper vermehrt Cortisol aus. Dieses Hormon hilft kurzfristig, mit Belastungen umzugehen. Gleichzeitig steigen Puls und Blutdruck, die Muskeln spannen sich an.
Vor allem Nacken und Schultern reagieren darauf empfindlich. Die Muskulatur verkrampft, was zu Schmerzen führen kann. „Viele Menschen unterschätzen, wie stark schon scheinbar harmlose Hintergrundgeräusche den Körper unter Stress setzen können“, sagt Physiotherapeut Christian Terstappen von der AGR. „Die Folge sind verspannte Schultern, ein harter Nacken und auf Dauer häufig auch Rückenschmerzen.“
Wie verbreitet das Problem ist, zeigen aktuelle Zahlen: Laut einer YouGov-Umfrage im Auftrag der AGR leiden 73 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland unter Nackenschmerzen. Gleichzeitig arbeitet rund ein Viertel der Beschäftigten häufig unter Lärmbedingungen, wie die BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2024 zeigt. Mehr als die Hälfte empfindet den Lärm als belastend.
„Lärmschutz wird im Büroalltag häufig unterschätzt“, sagt Terstappen. „Dabei gehört er genauso zur Ergonomie wie ein guter Stuhl oder ein höhenverstellbarer Schreibtisch.“
Viele Unternehmen setzen auf Großraumbüros, um Austausch und Teamarbeit zu fördern. Gleichzeitig steigt dort jedoch die Geräuschkulisse deutlich an. Für konzentriertes Arbeiten fehlen oft ruhige Bereiche. Die AGR empfiehlt deshalb, Rückzugsorte einzuplanen. Dazu zählen etwa schallgedämmte Räume oder sogenannte Akustikkabinen. Sie reduzieren den Lärm und ermöglichen konzentriertes Arbeiten oder vertrauliche Gespräche.
Wichtig ist dabei nicht nur die Ruhe. Auch die Ausstattung spielt eine Rolle. Höhenverstellbare Tische oder sogenannte Aktivstühle fördern Bewegung und entlasten den Rücken. Eine gute Belüftung und ausreichend Licht verbessern zusätzlich das Wohlbefinden.
„Unternehmen, die in schallisolierte Rückzugsbereiche investieren, sollten die ergonomische Ausstattung von Anfang an mitbedenken“, so Terstappen. „Wer Ruhe hat, aber schlecht sitzt, hat nichts gewonnen.“
Auch ohne Umbau des Büros können Beschäftigte etwas gegen Lärmstress tun. Noise-Cancelling-Kopfhörer helfen, störende Geräusche auszublenden. Wer kann, sollte Telefonate oder Meetings in separate Räume verlegen. Ebenso wichtig sind regelmäßige Pausen. Kurze Bewegungseinheiten lockern die Muskulatur und bauen Stress ab. Schon ein kurzer Spaziergang kann helfen.
