Bundesminister Karsten Wildberger soll Bürokratie abbauen, die deutsche Verwaltung reformieren und digitalisieren. Ist das zu schaffen – und wenn ja, wie? Hier zieht Wildberger nach einem halben Jahr Bilanz.
Früher leitete er große Unternehmen, heute soll er Deutschland vor der Bürokratie retten: Karsten Wildberger ist seit sechs Monaten Minister für Digitales und Staatsmodernisierung. Er gilt als einer der Hoffnungsträger im Kabinett Merz. Doch sein Ministerium wurde ganz neu geschaffen, die Mitarbeiter sind noch nicht aufeinander eingespielt, die Räume sind provisorisch, in Kürze steht noch ein Umzug an.
t-online: Herr Wildberger, Sie sind als Außenseiter in die Politik eingestiegen, haben vorher einen Konzern geleitet. Wie lautet Ihr Fazit nach sechs Monaten: Warum tut sich Deutschland so schwer mit Reformen?
Karsten Wildberger: Wir haben 20 Jahre lang Regulierungen angehäuft und Komplexität aufgebaut. Wir haben Beton aufgetragen. Das war ein langer Prozess, das verändert auch die Kultur. Jetzt haben wir Kipppunkte erreicht, an denen klar wird: Es ist zu viel.
Sie sollen das Problem lösen. Wie machen Sie das?
Es ist eine große Herausforderung. Denn auch das System, in dem wir arbeiten, ist komplex: Europa, Bund, Länder, Kommunen. Dazu Ministerien, die sehr eigenständig funktionieren. Wir arbeiten als Querschnittsministerium anders als andere Ministerien – und so kommt auch etwas anderes heraus. Aber es braucht natürlich ein bisschen Zeit, bis das auch die Bürgerinnen und Bürger erreicht.
Was haben Sie konkret in der Arbeitsweise Ihres eigenen Ministeriums verändert?
Wir haben zum Beispiel einen Staatssekretärsausschuss für Staatsmodernisierung und Bürokratieabbau eingeführt, der regelmäßig tagt. Da trägt unser Haus mit Philipp Amthor federführend die Verantwortung. Wir beschäftigen uns am Kabinettstisch jede Woche mit Themen aus unserer Modernisierungsagenda für den Bund. Wir starten diese Modernisierungsagenda jetzt auch in Zusammenarbeit mit den Ländern. Wir gehen stringent und strukturiert vor. Meine Hoffnung ist deshalb groß, dass wir etwas verändern können.
Wünschen Sie sich manchmal, dass Sie wie ein Konzernchef Dinge einfach anordnen könnten?
Auch wenn man einen Konzern aus der Krise führen soll, passieren Dinge nicht nur, weil man sie sich wünscht. So funktioniert die Welt nicht. Man muss Menschen immer für sich gewinnen.










