Wahl des Landtagspräsidenten

Erstmals hat ein AfD-Kandidat die Chance auf das Amt

05.10.2026 – 14:43 UhrLesedauer: 3 Min.

Ulrich Siegmund (l) und Tobias Rausch (Archivbild): Nach dem eindeutigen Sieg der AfD Anfang September steht bislang nicht fest, wie es in Sachsen-Anhalt weitergeht. (Quelle: IMAGO/Chris Emil Janssen/imago)

In Magdeburg könnte am Dienstag eine politische Premiere anstehen. Ein bislang wenig bekannter Politiker könnte dabei ein mächtiges Amt übernehmen und sorgt damit schon vor der Wahl für politische Kontroversen.

Tobias Rausch könnte zum mächtigsten Mann im Magdeburger Landtag und formal ranghöchsten Politiker des Landes Sachsen-Anhalt aufsteigen. Der 35-Jährige kandidiert für die AfD, welche die Landtagswahl vor rund vier Wochen mit deutlichem Abstand gewann, am Dienstag bei der Wahl des Landtagspräsidenten. Die Chancen für Rausch stehen gut.

Mit 39 Sitzen verfügt die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD im Landtag über genauso viele Stimmen wie CDU, SPD, Grüne und Linke zusammen. Das mit fünf Abgeordneten vertretene BSW erklärte allerdings bereits, den AfD-Bewerber zu unterstützen. Damit könnte Rausch auf Anhieb die nötige Stimmenmehrheit bekommen – und die AfD würde erstmals in Deutschland einen Parlamentspräsidenten stellen.

Das ist der Mann, der ganz nach oben will

Über Sachsen-Anhalt hinaus ist Rausch eher unbekannt. In der Partei, der er seit dem Gründungsjahr 2013 angehört, ist der Immobilienunternehmer aber gut vernetzt. Auch bringt er erhebliche parlamentarische Erfahrung mit. Seit 2016 gehört Rausch dem Magdeburger Landtag an, zwischenzeitlich war er Fraktionsvize, seit 2021 ist er parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Fraktion.

Geboren wurde Rausch 1990 in Mellrichstadt in Unterfranken, seinen Lebensmittelpunkt hat er im Raum Staßfurt südlich von Magdeburg. Dort ging er zur Schule, bevor er Ausbildungen zum Industriemechaniker und zum Immobilienkaufmann machte. Seit 2014 ist er selbstständiger Immobilienunternehmer.

Rausch ist seit Jahren auch kommunalpolitisch aktiv, sitzt im Stadtrat von Staßfurt und ist Fraktionschef im Kreistag des Salzlandkreises. Der passionierte Fußballer ist zudem Vorstandschef unter anderem des Fußballvereins SV 09 Stassfurt. Den Wahlkreis Schönebeck gewann er bei der Landtagswahl mit mehr als 48 Prozent direkt.

Tobias Rausch (AfD) (Archivbild): Der 35-Jährige gehört seit 2016 dem Landtag in Sachsenanhalt an. (Quelle: IMAGO/Marco Bader)

Selbst die Affäre um die Anstellung von Familienangehörigen bei AfD-Abgeordneten, die zu Jahresbeginn bundesweit für Schlagzeilen sorgte, konnte Rausch nichts anhaben. Mehrere seiner Geschwister und ein Schwager waren oder sind den Vorwürfen zufolge bei AfD-Bundestagsabgeordneten angestellt. Medien gegenüber bestätigte er zudem, mehrere Spieler seines Fußballvereins in seinem Abgeordnetenbüro beschäftigt zu haben.

Im Gegensatz zu anderen AfD-Politikern fiel der 35-Jährige bislang nicht durch extreme und radikale Äußerungen auf. Er selbst sagt von sich, er sei „kein Hardliner“. Tatsächlich dürfte dies auch im Kalkül der AfD liegen. Für AfD-Spitzenkandidat und Fraktionschef Ulrich Siegmund bringt Rausch alle Eigenschaften für einen Landtagspräsidenten mit, dem er „Durchsetzungsfähigkeit, eine souveräne Sitzungsleitung und Erfahrung im Bereich der Geschäftsordnung“ zuschreibt.

Share.
Exit mobile version