In der Kölner Innenstadt zeichnen sich gravierende Änderungen ab: Kaufhof und Karstadt drohen die Schließung. Das wäre ein herber Schlag für den Einzelhandel.
„Am Samsdaach jonn mer in de Stadt nohm Tietz“.
So oder so ähnlich hat das geklungen, wenn unsere Großeltern zum Kaufhof an der Schildergasse pilgern wollten. Sehr wahrscheinlich am Anfang des Monats, wenn es Geld gegeben hat. Gerade so wie im Bläck Fööss Lied „Langer Samsdaach in d‘r City“.
Was wir als Kaufhof kennen geht zurück auf das erste Warenhaus in Köln, gegründet von Leonhard Tietz. Der hatte schon sehr früh die Idee, ganz verschiedene Waren unter einem Dach gegen direkte Barzahlung anzubieten. Weil sie Juden waren, musste die Familie Tietz unter den Nazis ihre Warenhäuser weit unter Preis verkaufen, aus Tietz wurde Kaufhof. Sie sind danach ausgewandert und so dem Holocaust entkommen.
Die Umbenennung in „Kaufhof“ hat demnach also keine ruhmreiche Geschichte.
Aber die Kaufhof-Filialen in Köln waren und sind wichtig für das Niveau der Einkaufsstraßen. Bei uns in Nippes ist der Kaufhof auf der Neusserstraße so was wie ein Bollwerk gegen noch mehr Billig-Läden. Meiner Beobachtung nach hat das Verschwinden der Kaufhof-Filialen in Porz und auf der Kalker Hauptstraße echte Lücken hinterlassen.
Aber wir haben diesen Wandel ja selbst herbeigeführt.
Online einzukaufen ist nun mal bequemer, als mit der Bahn in die Stadt zu fahren. Am Ende werden wir das mit einer Innenstadt bezahlen, in keiner mehr will.
Bleibt nur zu hoffen, dass die Kölner die nächste Jeans, das nächste T-Shirt und den neuen Kaffeebecher einfach mal im Einzelhandel kaufen. Aber vielleicht ist der Zug auch längst abgefahren. Genau wie bei der Musik.
Wir haben unsere ersten beiden Alben Anfang der 90er noch auf Vinyl rausgebracht. Also richtige Platten! Gepresst im eigenen Presswerk der EMI-Electrola am Maarweg in Köln – alles futsch! Heute ist da nur noch Spotify. Kurz reinhören, gefällt mir nicht, wegwischen. Das ist ein bisschen wie bei Tinder.









