Der Karneval soll verbinden. Dass immer mehr Menschen aus finanziellen Gründen dabei außen vor bleiben, ärgert Stephan Brings.
Es fällt schon auf dieses Jahr: Ich höre viele junge Leute, die sich darüber unterhalten, was sie sich in der letzten Woche der Session noch leisten können. Auch vielen Familien wird das so gehen. Geboten wird ja viel. Aber mal ehrlich, wenn Miete, der Wocheneinkauf und Versicherungen abgebucht sind, dann bleibt kaum noch Kohle für die nächste Karnevalsparty.
Manchmal kostet es schon viel, überhaupt in eine Kneipe, einen Club oder eine Halle reinzukommen. Und dann hast du noch kein einziges Kölsch getrunken. Und das passiert auch in Läden, in die wir vor ein paar Jahren noch einfach so reingekommen sind. Jetzt kostet der Eintritt manchmal mehr als ein Konzertticket.
Das steht im krassen Gegensatz zu dem, wat unsere Fastelovend su wertvoll mäht: das Verbindende und das Gemeinsame. Aber hohe Preise an Tür und Theke sind eine harte Auslese. Wie immer im Leben. Das gilt für Wohnungssuchende, für Urlaubsplanung und manchmal sogar bei der Ausbildung der Kinder.
Eigentlich soll diese knappe Woche Karneval doch alles auf den Kopf stellen. Die Jecken stürmen die Rathäuser, übernehmen die Schlüssel und die Macht. Allerdings: Wer vor und nach Karneval jeden Euro umdrehen muss, der fühlt sich deutlich weniger mächtig. Das ist bitter und völlig unkölsch.
Viele Karnevalsvereine und Gesellschaften sind sehr bemüht, auch Jecken mit kleinem Geldbeutel etwas zu bieten. Aber wenn es ab Donnerstag auf der Straße und in der Kneipe losgeht, da weht ein anderer Wind. Die viel diskutierte „Ballermannisierung“, die sich seit Jahren auf der Zülpicher Straße und neuerdings auch am Chlodwigplatz abspielt, hat ganz bestimmt was damit zu tun. Eine Flasche Bier vom Büdchen ist einfach nicht so teuer – trotz Karnevalsaufschlag. Auch wenn viele Gastronomen seit Corona zu kämpfen haben: Alles im Karneval wieder reinholen zu wollen, trifft manchen Jecken hart.
