So startet Enso 2019 den ersten Tante-Enso-Laden in Niedersachsen. Der Begriff setzt sich zusammen aus Tante-Emma-Laden und dem eigenen Firmennamen. Fast hundert weitere Tante-Enso-Geschäfte sind inzwischen dazugekommen. Deutschlandweit.

Renziehausen sagt zu den Voraussetzungen für eine Filialöffnung: „Wir brauchen einen Ort mit einer Bevölkerung von tausend bis dreitausend Menschen. In Fahrradnähe im Umkreis von rund fünf Kilometern sollte es keine weitere Einkaufsmöglichkeit geben. Und ein Pluspunkt ist eine ehemalige Ladenfläche oder leerstehende Immobilie mit genug Fläche, die wir nutzen können.“

Enso setzt dabei auf die Menschen vor Ort. Sie werden vor dem Start einer neuen Filiale nach ihren Wünschen befragt. Und sie sollen gemeinsam mit Enso in eine lokale Genossenschaft einsteigen. „Das erhöht die Identifikation mit dem ganzen Vorhaben“, sagt Jessica Renziehausen. Einkaufen im Tante-Enso-Laden kann jeder, Genossenschaftsmitglieder erhalten an der Kasse aber einen Rabatt.

Der Vertrieb wird über den überregionalen Handelskonzern Rewe abgewickelt. Doch gibt es im gängigen Sortiment von rund 3.000 Waren ein paar Besonderheiten. Von „Lokalen Helden“ spricht Renziehausen, das sind Produkte von regionalen Unternehmen. Vom Grillwürstchen einer regionalen Fleischerei bis zum Honig vom lokalen Imker.

Noch ein Plus: Der Laden ist rund um die Uhr geöffnet. An dreißig Stunden in der Woche ist Personal vor Ort. Danach kommt man mit einer Kundenkarte rein. Auch am Sonntag.

„Wir haben ein neues Dorfzentrum“

Ein Tante-Enso-Laden im Ort Glasau-Sarau in Schleswig-Holstein. (Archivbild) (Quelle: Gemeinde Glasau-Sarau)

Bernd Horstmann sagt es so: „Wir sind ein kleines Dorf, aber wir sind schnell zu dem Schluss gekommen, dass wir eine große Lösung brauchen.“ Horstmann ist erster stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Glasau-Sarau. Rund 850 Menschen leben in dem Ort nahe Eutin in Schleswig-Holstein.

Nachdem der Tante-Emma-Laden im Dorf aufgegeben hatte, zog die Gemeinde einen Neubau im Stil eines alten Bauernhofs hoch. Dort finden sich nun ein Tante-Enso-Laden und ein Café mit Backshop. „Wir haben ein neues Dorfzentrum“, sagt Horstmann, zugleich „Markttreff“-Koordinator der Gemeinde.

„Markttreff“ ist ein Konzept des Landes Schleswig-Holstein. Die Kieler Landesregierung will so mit Unterstützung der EU die Infrastruktur im ländlichen Raum stärken. Knapp fünfzig „Markttreffs“ gibt es im Land – von Heidgraben im Hamburger Umland bis Glasau-Sarau nahe Eutin.

Dort sagt Bernd Horstmann: „Uns war wichtig, dass hier Menschen zusammenkommen.“ Deshalb gehört zum „Markttreff“ ein Café mit Backshop. Dort gibt es frische Brötchen zum Mitnehmen oder einen Snack vor Ort, Mittagstisch inklusive. Am Nachmittag darf es auch mal selbstgemachter Kuchen sein. „Zu moderaten Preisen“, betont Horstmann und fügt hinzu: „Uns ging es von Anfang an ums Wir-Gefühl.“ Und um praktische Lösungen. Künftig soll eine Digital-Station im „Markttreff“ auch kleinere Gänge zur Verwaltung erübrigen.

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