Szene trauert
Er erfand Berlins queere Partynächte – jetzt ist Bob Young tot
22.06.2026 – 04:35 UhrLesedauer: 2 Min.
Bob Young, Mitgründer des Clubs 90 Grad, ist mit 64 Jahren gestorben. Was er für die queere Nachtkultur Berlins bedeutete, zeigt die Reaktion der Szene.
Er kam als Student und blieb als Legende: Bob Young, der amerikanische Partyveranstalter, der das Nachtleben der Nachwendezeit in Berlin miterfand, ist tot. Er wurde 64 Jahre alt. Das berichten mehrere Medien übereinstimmend. Zuvor hatte er sich nach einem Fahrradunfall in einer Rehaklinik erholt – wo er, Bekannten zufolge, noch scherzte, er sei dort der Jüngste.
Ein Amerikaner erfindet Berlins queere Nächte
Young war 1983 als Austauschstudent aus dem US-amerikanischen Memphis nach West-Berlin gekommen. Wenige Wochen vor dem Mauerfall – und damit in einem historisch aufgeladenen Moment – eröffnete er gemeinsam mit Britt Kanja in Schöneberg einen Club in einer früheren Autowerkstatt. Der Name 90 Grad, so ist es überliefert, entstand in einer Berliner Küche, in der wie damals üblich die Waschmaschine stand. Kanja warb auf Rollerblades Gäste auf den Straßen von Mitte an.
Wir benötigen Ihre Einwilligung, um den von unserer Redaktion eingebundenen Instagram-Inhalt anzuzeigen. Sie können diesen (und damit auch alle weiteren Instagram-Inhalte auf t-online.de) mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder deaktivieren.
1996 gründete Young die Partyreihe GMF – das G stand dabei bewusst für Gay. Die Reihe zog durch verschiedene Berliner Clubs, darunter das Café Moskau und den Weekend Club am Alexanderplatz, und lief 2022 vorerst zum letzten Mal. Zu den Auftretenden gehörten DJs wie Paul van Dyk und Westbam. Young veranstaltete außerdem für viele Jahre Halloween-Partys, die Kultstatus erlangten, und legte in seiner Charlottenburger Wohnung ein umfangreiches Bildarchiv jener Jahrzehnte an.
Trauer aus Szene und Politik
Berlins Queerbeauftragter Alfonso Pantisano schrieb auf Instagram, Young sei „einer der engagiertesten Botschafter unseres freien, queeren Berlins“ gewesen und habe „über Jahrzehnte Räume geschaffen, in denen sich queere Menschen finden und feiern“ konnten. „Berlin verliert mit dir einen ihrer großen Zeremonienmeister der Nacht“, so Pantisano.
Die Berliner Organisation QueerLive erklärte auf Facebook, Young habe „die queere Club- und Partykultur der Hauptstadt über Jahrzehnte hinweg geprägt“. Die US-amerikanische Dragqueen Sherry Vine bezeichnete ihn demnach als jahrzehntelanges Zentrum des schwulen Nachtlebens in Berlin und einen engen Freund.
