Prozess in Hamburg

Block-Anwalt stellt Kronzeugen-Aussage mit Hotelfotos infrage

17.03.2026 – 18:55 UhrLesedauer: 2 Min.

Christina Block neben Ingo Bott: Laut Verteidigung gab es vor der gewaltsamen Rückholaktion kein Treffen zwischen Block und dem Entführer-Team. (Quelle: Marcus Brandt/Pool dpa/dpa/dpa-bilder)

Christina Block soll die mutmaßlichen Entführer getroffen haben – das bestreitet ihr Verteidiger mit Bildmaterial aus dem Hotel. Eine Aussage könnte über Schuld oder Freispruch entscheiden.

Am 39. Verhandlungstag vor dem Landgericht Hamburg hat Verteidiger Ingo Bott die zentrale Belastungsaussage gegen seine Mandantin Christina Block mit Hotelkamera-Fotos angegriffen.

Bott bestritt, dass sich Block kurz vor der Silvesternacht 2023/24 mit maskierten Mitgliedern der israelischen Sicherheitsfirma Cyber Cupola getroffen habe. Im Gerichtssaal zeigte er Fotos einer Hotelkamera, die das Team laut Bott in den Tagen vor der Entführung stets unmaskiert zeigen sollen. Einer sei sogar im Bademantel zu sehen gewesen. Es mache keinen Sinn, sagte Bott, dass sich die Männer ausgerechnet bei einem Treffen mit Block in einem Besprechungsraum hätten maskieren sollen.

Die Fotos richten sich gegen die Aussage von David Barkay. Der Chef der mutmaßlichen Entführer hatte vor einigen Wochen als Zeuge erklärt, sein gesamtes Team sei aus Israel nach Hamburg gereist und habe sich am 28. Dezember 2023 im Hotel Grand Elysée mit Block getroffen. Die Männer seien dabei maskiert gewesen. Block habe dem Team dafür gedankt, dass es gekommen sei, um die Kinder zu retten.

Er habe es so verstanden, dass er im Namen der Familie handele. Einzelheiten des Plans seien ihr jedoch nicht mitgeteilt worden – außer der Tatsache, dass die Kinder mit einem Auto nach Deutschland gebracht werden müssten.

Bott bezeichnete es als unglaubwürdig, dass Block bei einem solchen Treffen nicht mehr habe wissen wollen. Die Behauptung, seine Mandantin könne irgendetwas gewusst haben, sei abwegig.

Christina Block ist angeklagt, Cyber Cupola den Auftrag zur gewaltsamen Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder gegeben zu haben. Sie bestreitet das. Zu Prozessbeginn hatte sie erklärt, die Firma habe ursprünglich nur die Cybersicherheit im Hotel Grand Elysée betreuen sollen, das zur Block-Gruppe gehört. Sie sei davon ausgegangen, dass die Israelis vor Silvester in ihre Heimat abgereist seien.

Am Neujahrsmorgen 2024 habe eine Mitarbeiterin von Cyber Cupola sie angerufen und ihr mitgeteilt, sie solle nach Süddeutschland fahren, um ihre Kinder zu treffen. Das habe sie völlig überrascht. Sie sei dorthin gefahren und habe die Kinder anschließend nach Hamburg gebracht.

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