Bildungsbericht zeigt die drastischen Folgen der Pandemie

Die coronabedingten Lockdowns haben bei vielen Schülern zu schwächeren Leistungen geführt. Das gilt etwa für das Lesen. Allerdings ist der Trend sinkender Basiskompetenzen wie Lesen, Schreiben, Rechnen nicht nur auf die Pandemie zurückzuführen. Das geht aus dem Bildungsbericht hervor, der federführend vom geschäftsführenden Direktor des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation Kai Maaz verantwortet wird. Er ist Sprecher der Autorengruppe, die den alle zwei Jahre erscheinenden Bildungsbericht verfasst hat. Er beruht auf amtlichen Statistiken und sozialwissenschaftlichen Daten und Studien und soll langfristige Entwicklungen erfassen. Das Schwerpunktkapitel des diesjährigen Berichts widmet sich dem pädagogischen Personal. „Für gelingende Bildungsprozesse nimmt das Bildungspersonal eine Schlüsselrolle ein. Daher rückt es immer stärker in den Fokus des Interesses, Fachkräfte zu gewinnen und zu qualifizieren – nicht nur in Krisenzeiten“, sagt Maaz.

Heike Schmoll

Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.

Auch wenn das Personal in der frühen Bildung um 75 Prozent gewachsen ist, fehlen langfristig Erzieher. Denn die Anzahl der Kita-Besucher ist ähnlich stark gewachsen, so dass sich die Betreuungsrelation im Ergebnis kaum verbessert hat. Aktuellen Vorausberechnungen zufolge werden den Kitas in Westdeutschland im Jahr 2025 bis zu 73.000 Fachkräfte fehlen. Auch wenn bis 2025 rund 418.000 Kita-Fachkräfte in der frühen Bildung blieben und vermutlich knapp 150.000 Neuausgebildete dazukämen, ließe sich der Gesamtbedarf von mehr als 600.000 Fachkräften nicht decken. Die Pandemie habe den Personalnotstand noch verstärkt, weshalb der Engpass in den kommenden Jahren zu einer Schlüsselfrage der Zukunftsfähigkeit der Frühen Bildung werde, heißt es in dem Bericht.

Kinder mit Sprachdefiziten besonders betroffen

Wie wichtig gut qualifiziertes Personal im frühkindlichen Bereich ist, wissen die Grundschullehrer am besten, die auf eine sichere Sprachbeherrschung der Schulanfänger bauen müssen. Doch nicht alle Kinder sprechen so gut Deutsch, dass sie in der ersten Klasse dem Unterricht folgen könnten. Die Bildungsforscher mahnen die Politik deshalb, die sprachliche Grundbildung für alle über den Lebenslauf hinweg bildungsbereichsübergreifend zu sichern. Doch dafür gibt es keine politischen Zuständigkeiten, obwohl die Notwendigkeit längst eingesehen ist. Nicht einmal eine verpflichtende Sprachstandsfeststellung wird überall eingehalten, geschweige denn mit einer Förderpflicht verbunden. Das gilt zum Beispiel für Berlin. Hamburg dagegen sorgt für eine Einhaltung der Verpflichtung.

Für viele Kinder im vorschulischen Alter waren die Kita-Schließungen mit spürbar weniger Bildungsimpulsen verbunden. Im Grunde hat ein Rückschritt zur familiären Betreuung stattgefunden. Bei ausdrücklichen Bildungsaktivitäten wie dem Vorlesen habe sich die Schere zwischen Eltern mit hohem und niedrigem Bildungsstand weiter vergrößert, heißt es im Bildungsbericht. „Während Kindern aus Elternhäusern mit hohem Bildungsabschluss 2019 noch an 5 Tagen pro Monat mehr vorgelesen wurde als Kindern von Eltern mit niedrigeren Abschlüssen, erhöhte sich die Differenz im Jahr 2021 auf immerhin 7 Tage pro Monat“, heißt es in dem Bericht. Die Autoren rechnen deshalb damit, dass sich die Bildungsungleichheiten in der frühen Kindheit noch verstärkt haben.

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