Auch für die Coaches war nach dem anfänglichen „Schock“ das Trainieren einer jungen Mutter Neuland, was aber im Zusammenspiel gut funktionierte, wie Bundestrainer Kristian Mehringer sagte. Der 44-Jährige sieht Hettich-Walz in einer „Vorbildwirkung, vielleicht für die nächste Generation“. Sie zeige, dass sich Familie und Sportkarriere nicht ausschließen müssen. Sportdirektor Felix Bitterling denkt schon weiter: „Wir brauchen ja irgendwann auch mal Nachwuchsbiathleten und die Chance ist sicherlich größer, wenn der Papa oder die Mama auch schon eine war.“
Franziska Preuß hat den „allerhöchsten Respekt“ vor ihrer Teamkollegin. Die Weltcupgesamtsiegerin der vergangenen Saison, die erst nach ihrer Karriere mit ihrem Lebensgefährten Simon Schempp Kinder haben möchte, sagte: „Für mich wäre das jetzt aber gar kein Thema gewesen, beides unter einen Hut zu kriegen.“
Der organisatorische Aufwand ist für Hettich-Walz ungleich höher, doch sie kann sich der Unterstützung ihrer Familie sicher sein. So übernehmen ihr Mann und die Großeltern die Betreuung der Kleinen während des Trainings. Im Winter kommt Karlotta in Familienbegleitung so oft es geht mit auf Reisen, bleibt dabei aber stets abseits der Teamkollegen, wegen der Infektionsgefahr. Auch Hettich-Walz‘ Sponsoren sprangen – anders als bei der Paralympics-Siegerin Elena Semechin – nicht ab, nachdem sie schwanger wurde.
Allein ist Hettich-Walz im deutschen Biathlon-Team mit der Elternrolle nicht, denn bei den Herren ist gar ein kleiner „Baby-Boom“ ausgebrochen. Johannes Kühn (33/Tochter), Justus Strelow (28/Sohn) und Danilo Riethmüller (26/Tochter) sind Väter geworden. Die drei seien noch mal ein Stück gewachsen, „auch an Persönlichkeit“, sagte der neue Herren-Chefcoach Tobias Reiter.
Der Erste im Bunde war Kühn im Mai, dann folgte im August Strelow und im September war dann Riethmüller bei der Geburt seiner Tochter dabei. Es sei „schön, einzigartig, ungewöhnlich, seltsam“ gewesen, „einmalige Gefühle“, die man so schnell nicht wiederbekomme, sagte Riethmüller und schob lachend hinterher: „Das Windelnwechseln geht tatsächlich etwas schneller als das Schießen.“
Philipp Nawrath sagte, er fühle sich deswegen als kinderloser Sportler fast schon als „Outsider“. Für den 32-Jährigen wäre die Konstellation Baby und Biathlon dem Vernehmen nach nichts: „Es ist ein harter Job, den wir machen. Deswegen bewundere ich alle, die es schaffen.“
