Eigenbrauer-Syndrom
Betrunken ohne Alkohol – geht das?
Aktualisiert am 15.04.2026 – 18:07 UhrLesedauer: 2 Min.

Rätselhafte Erkrankungen fordern Mediziner immer wieder heraus. So auch das Eigenbrauer-Syndrom. Wie kann man betrunken sein, ohne getrunken zu haben?
Sie fühlen sich betrunken, haben aber keinen Schluck Alkohol getrunken: Das ist für die meisten Menschen kaum vorstellbar. Doch genau das passiert bei einer seltenen Erkrankung namens Eigenbrauer-Syndrom. Für Betroffene kann sie gravierende Folgen haben.
Das Eigenbrauer-Syndrom, im Englischen „Gut Fermentation Syndrome“, ist eine sehr seltene Darmerkrankung. Die Patienten leiden unter einer gestörten Darmflora, in deren Verlauf spezielle Hefepilze überhandnehmen. Diese Pilze sind in der Lage, Kohlenhydrate aus der Nahrung in Alkohol umzuwandeln. Der so entstehende Alkohol gelangt direkt ins Blut und führt zu einem Zustand der Trunkenheit – ganz ohne Alkoholkonsum. Besonders stark fällt der Rausch aus, wenn jemand viele stärke- und zuckerhaltige Lebensmittel verzehrt hat.
Typisch für das Syndrom ist, dass Betroffene immer wieder einen hohen Alkoholgehalt im Blut aufweisen, obwohl sie versichern, keinen oder nicht übermäßig viel Alkohol zu sich genommen zu haben. Dabei zeigen sie offensichtliche Symptome eines Rauschzustands, wie etwa:
Bei einigen Patienten kommen Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe, Schwindel und Kopfschmerzen hinzu.
Die seltene Krankheit wurde erstmals in den 1950er-Jahren dokumentiert. Seither sind nur sehr wenige Fälle bekannt. Forscher aus den Niederlanden haben in der bis September 2020 veröffentlichten Literatur nach dem Syndrom gesucht. Dabei fanden sie gerade einmal Berichte über 20 Patienten.
Das macht die Ursachenforschung extrem schwierig. Laut den Experten scheint eine übermäßige Besiedelung mit Hefepilzen im Darm eine wichtige Rolle zu spielen. Sie haben zudem folgende Risikofaktoren ausgemacht, die bei Patienten des Syndroms auftraten:
Auch die Diagnosestellung ist häufig kompliziert. Sinnvoll kann ein Kohlenhydrat-Belastungstest sein. Dabei wird nach dem Verzehr einer kohlenhydratreichen Mahlzeit der Blut- und Atemalkoholgehalt gemessen. Ein signifikanter Anstieg kann auf das Vorhandensein des Syndroms hinweisen. Bei einer Darmspiegelung (Koloskopie) kann der Arzt nach Pilzen und Bakterien im Darm schauen. Durch einen zusätzlichen Blut- und Urintest lassen sich mögliche andere Erkrankungen ausschließen.