Berufsbildungsbericht: Etwas weniger Krise

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt bleibt schwierig, trotz leichter Signale einer Erholung. Der diesjährige Bundesbildungsbericht, den das Bundeskabinett am Mittwoch beschloss, spiegelt insgesamt, dass der Ausbildungsmarkt nicht ausreichend auf die großen Herausforderungen wie demographischer Wandel und Digitalisierung sowie Klima- und Energiewende vorbereitet ist.

Auch wenn die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Jahr 2021 leicht um 1,2 Prozent stieg und beim Ausbildungsangebot ein leichtes Plus von 1,7 Prozent zu verzeichnen ist, sind Angebot und Nachfrage im Vor-Corona-Vergleich weiterhin deutlich schwächer. So wurden 2021 verglichen mit 2019 knapp 10 Prozent weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen. Die Zahl junger Menschen, die vergangenes Jahr eine duale Berufsausbildung nachfragten, ging gegenüber 2019 um 9,7 Prozent zurück. Das ist ein neuer Tiefstand seit 1992, dem Jahr, in dem erstmals Daten für das wiedervereinigte Deutschland vorlagen.

Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) verwies auf „Baustellen, auf denen mutiges Anpacken nötig ist“. Besorgt zeigte sie sich darüber, „dass die Zahl der Schüler ohne Abschluss weiterhin hoch ist und die Integration junger Menschen mit Migrationshintergrund in die Ausbildung hinterherhinkt“. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet der Berufsbildungsbericht bei jungen Leuten mit Fluchthintergrund, die einen Ausbildungsplatz suchten, ein Minus von 6,3 Prozent. Nur ein Drittel dieser Bewerber begannen dann tatsächlich eine Ausbildung.

Berufsorientierung auf Gymnasien ausweiten?

Richtet man den Blick auf die Ausbildungsbetriebe, zeigt der Bericht, dass sich die – wenngleich bescheidenen – Zuwächse bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen auf nahezu alle Bereiche erstrecken. Rückgänge gab es indes nicht nur im öffentlichen Dienst, sondern auch in Indus­trie und Handel. Zur Schattenseite gehört auch, dass die Zahl der Ausbildungsbetriebe 2021 nochmals gesunken ist, mit den stärksten Rückgängen bei Kleinstbetrieben – die wiederum die größten Schwierigkeiten hatten, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen.

Insgesamt gibt es weiterhin Probleme, Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt zusammenzuführen. Ende September 2021 standen den etwas mehr als 63.000 unbesetzten Ausbildungsstellen 24.600 gänzlich unversorgte Bewerber gegenüber. „Hier müssen Bundesregierung und Bundesländer entschieden gegensteuern“, forderte der Präsident des Zentralverbandes des deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer. Die Berufsorientierung müsse in allen Bundesländern auf die Gymnasien ausgeweitet werden. Auch seien größere Anstrengungen nötig, um die berufliche Aus- und Weiterbildung attraktiver zu machen, sagte Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung.

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