„An Skrupellosigkeit nicht zu überbieten“

Benko-Nachfolger lässt offenbar Denkmal verschwinden

22.04.2026 – 17:21 UhrLesedauer: 2 Min.

Der Paternoster in dem Hamburger Geschäftshaus (Archivbild): Der historische Aufzug war 2018 von einem Kunsthistoriker wiederentdeckt und anschließend aufwendig saniert worden. (Quelle: Marcus Brandt/dpa./dpa)

Er galt als ein historischer Schatz, jetzt ist er weg: Wo sich bisher der vermutlich älteste Paternoster der Welt befand, klafft nun eine Lücke.

In Hamburg ist ein Baudenkmal verschwunden: Im Flüggerhaus, einem 1908 errichteten Kontorhaus, ist der berühmte Paternoster herausgerissen worden. Der historische Aufzug galt als der älteste noch erhaltene Paternoster der Welt.

Jahrelang hatte von der Existenz der Anlage niemand gewusst. Erst 2018 war sie hinter einer Verschalung wiederentdeckt worden. Ein Restaurator steckte mit seinem Team 2.500 Arbeitsstunden in die Sanierung, dann fuhr der Paternoster wieder.

2024 wechselte das Flüggerhaus den Besitzer: Der Investor Harm Müller-Spreer erwarb das Objekt von René Benkos insolventer Signa-Holding, um dort helle und freundliche Loftbüros hinter historischer Fassade entstehen zu lassen.

Auf Makler-Webseiten werden die Lofts aktuell angepriesen: Der Charme und die historischen Elemente des Hauses blieben „selbstverständlich erhalten“, heißt es auf einer dieser Seiten. Die Flächen würden seit dem zweiten Quartal 2026 „nach Euren Wünschen und Vorstellungen hochwertig, modern und technisch auf dem neuesten Stand ausgebaut“. Als „ganz besonderes Highlight“ erwähnt der Makler den hauseigenen Paternoster.

Doch der ist nun weg. Der Makler sagt t-online am Telefon, er wisse nicht, wohin der Aufzug verschwunden ist und wer ihn heimlich ausgebaut hat. Er habe sich bisher nur um die Vermietung des Flüggerhauses gekümmert.

Der Denkmalverein Hamburg ist sich hingegen sicher: „Der Immobilien-Mogul Harm Müller-Spreer hat den ältesten Paternoster der Welt zerstört – einfach, weil es sich rechnete“, heißt es in einem Facebook-Beitrag. „Wir sind einigermaßen fassungslos und hoffen, dass die Behörde jetzt ihren gesamten rechtlichen Spielraum ausnutzen wird, diese Denkmalzerstörung zu ahnden.“

Dem NDR erklärte Kristina Sassenscheidt vom Denkmalverein, der Eigentümer sei ein erfahrener Immobilienbesitzer: „Er wusste ganz genau, was er da tat. Das ist an Skrupellosigkeit nicht zu überbieten.“

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