Ein weiterer Aufreger ist, dass die Vertragsunterlagen unterschiedlich transparent sind. Beim Münchner Hersteller Helsing wird der genaue Stückpreis im Entwurf genannt, bei Stark Defence soll die entsprechende Stelle im Text geschwärzt sein. Wie t-online jedoch bereits in der vergangenen Woche aus mehreren Quellen erfuhr, soll eine Stark-Drohne rund 80.000 Euro beziehungsweise 95.000 Euro inklusive Mehrwertsteuer kosten. Bei Helsing liegt der Stückpreis demnach bei 44.000 Euro (52.000 Euro inklusive Mehrwertsteuer) – also fast nur etwa die Hälfte.
Der größte Streitpunkt dürfte jedoch die Beteiligung des ultrarechten US-Investors Peter Thiel am Hersteller Stark sein. Thiel, Sohn deutscher Eltern und selbst in Frankfurt am Main geboren, gilt als einer der frühesten Unterstützer von Donald Trump. Seit Jahren, so der Vorwurf, bewege er sich in den Hinterzimmern rechter Ideologen, Politiker und Akteure, bringe sie zusammen und fördere sie mit Millioneninvestitionen – und treibe so den Kulturkampf in den USA an seine Extreme. Zusätzlich sorgt seine Rolle als Mitbegründer der Überwachungssoftware Palantir für Kritik: Die Software werde derzeit etwa von ICE-Agenten in den USA genutzt und ermögliche es, Menschen in Echtzeit zu identifizieren und personalisierte Daten über sie zu sammeln.
Kritik hagelte es vor allem aus den Reihen der Grünen. Sie verlangten Aufklärung über Eigentümer- und Einflussstrukturen bei Stark Defence und warnten davor, dass bei einem Auftrag mit diesem Volumen neue Abhängigkeiten entstehen könnten. Zuletzt hatte dann auch Verteidigungsminister Pistorius Bedenken geäußert. Er sagte, er verstehe die Sorgen wegen Thiel und es müsse geklärt werden, „welchen Einfluss Herr Thiel tatsächlich hat“. Wenn Thiel operativen Einfluss oder Sperrminoritäten hätte, wäre das aus Pistorius‘ Sicht „eine andere Qualität“ als eine reine Minderheitsbeteiligung im einstelligen Prozentbereich.
Der Hersteller weist die Vorwürfe zurück: Stark Defence betont, Thiel habe keinen Einfluss auf das operative Geschäft, keine Sperrminorität und keine Sonderrechte. Damit scheinen die Bedenken bei einigen Abgeordneten ausgeräumt. Aus Union und SPD ist zu hören, dass die Debatte um Thiel das Großprojekt jetzt nicht stoppen dürfe.
Das Ministerium begründet die geplante Beschaffung mit der Abschreckung gegenüber Russland. Die Panzerbrigade 45, auch „Litauen-Brigade“ genannt, soll die Kamikaze-Drohnen erhalten, um ihren „großräumigen Schutz“ zu verbessern und die Nato-Ostflanke zu sichern. Die Brigade umfasst rund 5.000 Soldaten und soll bis Ende 2027 voll einsatzfähig sein. Laut Herstellern können beide Systeme Ziele auf bis zu 100 Kilometer bekämpfen.
