Bohai und Schlote
Autozulieferer schließen Werk im Harz – Hunderte Jobs fallen weg
Aktualisiert am 30.09.2026 – 04:05 UhrLesedauer: 3 Min.
Die Investorensuche ist gescheitert. Die Produktion in Harzgerode und Wernigerode soll bis Ende Januar enden. Betroffen sind mehr als 700 Beschäftigte in der Region.
Die insolventen Automobilzulieferer Bohai und Schlote stellen ihren Betrieb in Harzgerode und Wernigerode bis Ende Januar ein. Die rund 700 Beschäftigten beider Unternehmen wurden am Montagnachmittag auf einer Mitarbeiterversammlung in Harzgerode von den Insolvenzverwaltern informiert. Bohai und Schlote hatten für den Standort im April Insolvenz angemeldet. Eine Investorensuche für den Betrieb bei Bohai ist bis zuletzt erfolglos geblieben, teilte der Insolvenzverwalter mit. Ein Interessent, in den bis zuletzt noch Hoffnung gesetzt worden war, war trotz intensiver Verhandlungen abgesprungen.
Mit dem Aus bei Bohai folgt auch der Betriebsstopp bei Schlote. Als Zulieferbetrieb, der auf demselben Gelände angesiedelt ist, würden über Januar hinaus keine Aufträge mehr für das Unternehmen bestehen, heißt es weiter. Bohai betreibt eine Gießerei und produziert Aluminiumgussteile in Harzgerode.
- Gescheiterte Investorensuche: Klinik in Niedersachsen schließt
- Acht Filialen: Bäckereikette aus dem Sauerland ist insolvent
Die Schlote Gruppe verarbeitet die Teile vor Ort weiter. In den kommenden Monaten werde die Produktion heruntergefahren. Wegen der zu geringen Auslastung arbeite Bohai dauerhaft nicht rentabel. Die Produktion sei bis heute defizitär und habe „nur durch erhebliche finanzielle Unterstützung der wesentlichen Auftraggeber in Höhe zahlreicher Millionen Euro“ fortgeführt werden können.
Land und VW-Konzern hatten Investorensuche erfolglos unterstützt
Bis zuletzt hatten Sachsen-Anhalts Landesregierung, der VW-Konzern als größter Auftraggeber des Standortes und der Landkreis zusammen mit dem Insolvenzverwalter nach Lösungen gesucht. Auch die Belegschaft habe sich mit großem Einsatz eingebracht, so der Insolvenzverwalter Olaf Spiekermann. „Leider hat dies mangels zukünftiger Aufträge nicht ausgereicht.“ Er wolle nun mit Betriebsrat und Vertretern der IG Metall über einen Sozialplan verhandeln.
Insgesamt sind in Harzgerode und Wernigerode nach Angaben der Insolvenzverwalter 730 Jobs von den Schließungen betroffen. „Das wird der Arbeitsmarkt in der Tat so schnell nicht aufnehmen“, sagte Janek Tomaschefski, Erster Bevollmächtigter und Geschäftsführer der IG Metall Halberstadt, der dpa. Entsprechend groß sei die Sorge bei den Betroffenen um ihre Zukunft. „Das ist für die Harzregion ein ganz, ganz schlechtes Signal.“
Agentur für Arbeit richtet vor Ort Büros ein
Für die Gewerkschaft gehe es nun darum, zunächst über einen Sozialplan zu verhandeln. Voraussichtlich würden die Kündigungen während der Ausproduktion des Standortes in Wellen stattfinden. Es müsse geklärt werden, wie eine faire Verteilung gewährleistet werden kann.
Die Agentur für Arbeit habe geplant, in einem Nebengebäude der Werke Büros für eine Vor-Ort-Betreuung der Betroffenen zu öffnen, bestätigte eine Sprecherin auf Nachfrage. Demnach sollen die Beschäftigten so früh wie möglich etwa darüber informiert werden, welche Möglichkeiten der Qualifizierung es für sie gibt. „Ziel ist, dass Arbeitslosigkeit gar nicht erst eintritt.“
