In Teilen Syriens gebe es eine „apokalyptische Situation“, sagt Wadephul. Solange das der Fall sei, „wird es schwer sein, dort wieder ein, wie ich es ja vor Ort gesagt habe, menschenwürdiges Leben zu ermöglichen“. Abschiebungen seien natürlich möglich, wenn eine Rückkehr nicht freiwillig geschehe. Aber das sei ein Prozess, bei dem man sich an der Lage vor Ort orientieren müsse.
Als Unionsfraktionschef Jens Spahn um 14.45 Uhr vor dem Fraktionssaal vor die Presse tritt, fällt die Rückendeckung für den Außenminister nicht gerade enthusiastisch aus. Wie groß die Verärgerung über den Außenminister in der Fraktion sei, wird Spahn gefragt. Der zieht Luft durch die Zähne und sagt nur einen Satz: „Entscheidend ist im Ergebnis, dass wir eine gemeinsame Position haben.“
Erst als ein Journalist nachfragt, ob das denn die Außenpolitik in einem Guss sei, die die Union versprochen habe, sagt Spahn zwei weitere Sätze: „Bei genauem Hinschauen gibt es den einen Guss und die Gemeinsamkeiten, die tragen. Gelegentlich hilft es im Zweifel, dann schnell die Dinge auch noch mal klarzustellen und einzuordnen.“ Wadephul wird es so verstanden haben, wie es gemeint ist: als Kritik an seinem Krisenmanagement.
Als die Sitzung dann losgeht, spricht Johann Wadephul erst einmal gar nicht. Und Syrien ist auch längst nicht das einzige Thema. Wie üblich ist zu Beginn der Fraktionschef dran, Jens Spahn. Er unternimmt den Versuch, die schlechte Stimmung in der Fraktion zu kanalisieren.
Alle Abgeordnete hätten zuletzt in ihren Wahlkreisen gespürt, dass die Lage schwierig sei, so wird Spahn von Teilnehmern zitiert. Die Koalition mache es Kritikern zu leicht und schaffe es zu selten, Erfolge zu transportieren. Schon eine Äußerung reiche leider, wie aktuell zu Syrien, die gerade bei der irregulären Migration sehr erfolgreiche Arbeit mit Streit zu überdecken.
Dann spricht der Bundeskanzler, Friedrich Merz. Er beeindruckt manche in der Fraktion zunächst mit etwas ganz anderem. Merz hat eine große Schautafel mitgebracht, etwa DIN A3, laminiert. Darauf zu sehen ist eine Grafik mit drei Linien. Die für den Staatskonsum steigt deutlich, die für das Bruttoinlandsprodukt stagniert und die für private Investitionen sinkt. Die Linien müssten sich wieder annähern, sagt Merz. Darüber werde er mit der SPD jetzt „Klartext“ sprechen. Das kommt an, der Kanzler bekommt viel Applaus.










