„Vieles hängt davon ab, was ‚Artemis 2‘ an Daten liefert und wie ‚Artemis 3‘ aussieht“, sagt Gerst. Erst danach werde über Besatzungen entschieden. „Alles andere“, sagt auch Maurer, „wäre Spekulation“. Als zwölfter und bisher letzter Deutscher war er 2021/22 im All.

Für Europas früheren Raumfahrtchef Jan Wörner ist „Artemis“ kein „back to the moon“, sondern ein „forward to the moon“ – etwas Neues. „2015 wurde ich kritisiert, als ich von Moon Village sprach: ‚Das ist doch ein toter Stein'“, sagt Wörner. Er sieht „Artemis“ als Schritt in Richtung einer Station auf dem Mond, die ähnlich zur ISS zur internationalen Zusammenarbeit führen könnte.

Eigentlich hätte es mit „Artemis 2“ schon losgehen sollen. Doch bei einem Test gab es Lecks und Ausfälle am rund 100 Meter hohen System, bestehend aus der Rakete „Space Launch System“ und der „Orion“-Kapsel. Termin nun: März.

Machen die technischen Probleme den beiden deutschen Astronauten der europäischen Raumfahrtbehörde Esa Sorgen? „Nein“, sagt Gerst. „Zusätzliche Tests sind kein schlechtes Zeichen, sondern Ausdruck von Professionalität.“ So sieht es auch Maurer: „Lieber schauen wir zwei Tage länger hin, als etwas zu überstürzen. Ein Fehlschlag würde das Programm um Jahre zurückwerfen.“

Bleibt die grundsätzliche Frage: Warum Mondmissionen, wenn die Erde voller Krisen ist? Für Maurer, der einen Doktortitel in Materialwissenschaft hat, liegt die Antwort auch in der internationalen Zusammenarbeit. „Die ISS zeigt, was möglich ist, wenn Länder gemeinsam arbeiten.“ Raumfahrt sende eine Botschaft, die über Technik hinausgehe. „Sie zeigt, dass Kooperation funktioniert – und Zukunft gestaltbar ist.“

Der Mond sei dabei kein bloßer Zwischenstopp auf dem Weg zum Mars, meint Gerst. „Unser kosmischer Begleiter ist ein eigenständiges Ziel. Dort können wir zum Beispiel erforschen, wie wir die Menschheit vor katastrophalen Meteoriteneinschlägen oder Sonnenstürmen schützen können. Dieses Wissen wird womöglich einmal überlebenswichtig für die Menschheit sein.“

Zugleich sei die Reise zum Erdtrabanten Vorbereitung für den nächsten Schritt. „Wir müssen die Technologien für den Mars erst auf dem Mond testen.“ Direkt zum Roten Planeten zu fliegen, hält Gerst derzeit für unrealistisch. „Die Risiken sind momentan nicht quantifizierbar.“ Lebenserhaltung, Reparaturen im All – das müsse erprobt werden. „Das eine baut auf dem anderen auf.“

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