Parteitag in Potsdam

Auf dem Weg zur Volkspartei? Wie es für die Linke weitergeht

Aktualisiert am 21.06.2026 – 13:47 UhrLesedauer: 3 Min.

Luigi Pantisano und Ines Schwerdtner sind das neue Führungsduo der Linken. (Quelle: Michael Bahlo/dpa/dpa-bilder)

Neues Spitzenduo, alte Streitfragen und viel Wut auf Schwarz-Rot: Die Linke will mit Protesten Millionen bewegen. Kann sie wirklich zur „Volkspartei“ werden? Fünf Erkenntnisse vom Potsdamer Parteitag.

Auf dem Weg zum Linken-Bundesparteitag wartete am Wochenende die Verheißung „Action, Fun & Entertainment“ – die Partei tagte am Potsdamer Filmpark Babelsberg, im Schatten einer riesigen roten Vulkanattrappe. Im Saal ging es dann am lautesten um Protest gegen die schwarz-rote Bundesregierung und ihre Sozialreformen, um Widerstand gegen den Aufstieg der AfD, um Antifaschismus und Klassenkampf.

Die Linke geht mit einer neuen Doppelspitze und mit neuer rhetorischer Schärfe in die politische Auseinandersetzung der nächsten Monate. Was ist zu erwarten? Fünf Erkenntnisse aus dem Parteitag:

1. Die Linke wähnt sich auf dem Weg zur Volkspartei

Die Partei freut sich immer noch an ihrem Comeback bei der Bundestagswahl 2025, an guten Umfragewerten von zehn bis zwölf Prozent und einem enormen Mitgliederzuwachs auf jetzt 126.000 Linke. Der bisherige Co-Vorsitzende Jan van Aken formulierte zum Abschied die Vision einer „sozialistischen Volkspartei“ mit 20 Prozent der Wählerstimmen.

Forderungen nach einer Vermögensteuer, einem Mietendeckel oder der Rente ab 65 hätten in der Bevölkerung breite Unterstützung. „So viele Menschen hier in Deutschland wollen das, was wir auch wollen“, sagte der 65-Jährige. Das Potenzial sei da. Van Aken gab dies als Auftrag an seine Nachfolger – er hat sich aus gesundheitlichen Gründen von der Parteispitze zurückgezogen.

2. Der Führungswechsel lief rumpelig

Seine Co-Vorsitzende Ines Schwerdtner bleibt im Amt und erhielt mit rund 86 Prozent auf dem Parteitag ein gutes Ergebnis. Doch van Akens Nachfolger Luigi Pantisano erwischte keinen guten Start: nur 53 Prozent der Stimmen, und das ohne Gegenkandidat. „Es erfüllt mich mit Demut zu wissen, dass ich in den nächsten Monaten in diese Rolle hineinwachsen muss“, sagte Pantisano etwas kleinlaut.

Schwerdtner erhielt ein viel besseres Ergebnis als Pantisano. (Quelle: Michael Bahlo/dpa/dpa-bilder)

Pantisano betont selbst, er „versuche auch zu polarisieren“. Das schaffte er mit einer Äußerung kurz vor dem Wahlgang am Samstag. In einem ein „Bild“-Interview sah er bei der CDU „faschistische Politik“ ähnlich der AfD. Anschließend stellte er klar, dass das unglücklich formuliert war. Aber nicht nur die CDU reagierte empört. Auch bei ostdeutschen Genossen kam das nicht gut an.

3. Die Linke schließt Regieren nicht aus

Hinter dem Ärger über die Verbalattacke gegen die CDU steht eine neue Variante der alten Streitfrage der Linken: Soll man regieren (und Kompromisse eingehen), oder nicht? Das interessiert akut vor allem die ostdeutschen Landesverbände.

In Thüringen und Sachsen kooperiert die Linke schon punktuell mit der CDU, um den dortigen Landesregierungen Mehrheiten zu sichern. In Sachsen-Anhalt könnte nach der Landtagswahl im September ein solches Modell die einzige Option sein, eine AfD-Regierung zu verhindern. Das wiederum hat die Linken-Spitze zum obersten Ziel erklärt.

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