Sauberer geht es kaum: Wasserstoff, das einfachste und grundlegendste Element unseres Universums, entsteht aus Wasser, Sonne und Wind. Wasserstoff soll das Herzstück der europäischen Energiewende sein – als Speicher und Kraftstoff sowie als Bindeglied zwischen Industrie, Verkehr und Stromerzeugung. Kaum ein anderer Energieträger verkörpert die Vision eines grünen Kontinents stärker.
Deutschland spielt dabei eine wichtige Rolle. Damit sich Wasserstoff als Energieträger etablieren kann, bedarf es einer gut funktionierenden Infrastruktur zu seiner Speicherung und seinem Transport. Abhilfe soll das Anfang Mai 2025 in Berlin gestartete Projekt „TransHyDE 2.0“ schaffen, an dem sowohl Forschung als auch Industrie beteiligt sind. Mario Ragwitz, Leiter der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien IEG und Vorstandsmitglied von TransHyDE 2.0, sagt, es gehe darum, „innovative Anwendungen voranzutreiben“ und „Umsetzungshürden abzubauen“. Mögliche Hürden sieht er bei der Wirtschaftlichkeit, aber auch bei der öffentlichen Akzeptanz und den rechtlichen Rahmenbedingungen.
Vermittlung zwischen Industrie und Forschung
Der Physiker Ragwitz war bereits einer der Koordinatoren des Vorgängerprojekts „TransHyDE“, das vom Bundesforschungsministerium und der Europäischen Union gefördert wurde. Über einen Zeitraum von vier Jahren erkundeten mehr als 100 Partner die verschiedenen Transport- und Lagermöglichkeiten. Als das Projekt im Frühjahr 2025 endete, legten sie einen Fahrplan vor. Das Fazit lautete, dass für den Ausbau der Wasserstoffwirtschaft eine flächendeckende, technologieoffene Transport- und Speicherinfrastruktur im ganzen Land erforderlich sei.
Dies ist der Ausgangspunkt für das Folgeprojekt. „TransHyDE 2.0 ist eine Einladung an die Industrie, zum Projekt beizutragen, indem sie ihre spezifischen Bedürfnisse für die weitere Entwicklung darlegt und Projekte in Gang setzt“, sagt Ragwitz. Ziel der Initiative ist es, zwischen Industrie und Forschung zu vermitteln, eine Beratungsplattform für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu bieten und ein Netzwerk entlang der Wasserstoff-Wertschöpfungskette aufzubauen.
Das Tempo des Wasserstoff-Hochlaufs erhöhen
„Mit dem Wasserstoffbeschleunigungsgesetz vereinfachen und digitalisieren wir Prozesse nun grundlegend und erhöhen das Tempo“, sagt Katherina Reiche, Bundesministerin für Wirtschaft und Energie. Das Wirtschaftsministerium setzt nicht mehr nur auf grünen Wasserstoff, sondern will auch den Einsatz von „blauem“ Wasserstoff (hergestellt aus Erdgas und CO2-Abscheidung) und „weißem“ Naturwasserstoff fördern. Letzteres kommt in unterirdischen Lagerstätten vor und kann durch Bohrungen abgebaut werden. Langfristiges Ziel bleibt laut Ministerium jedoch weiterhin „die Umstellung auf klimaneutralen Wasserstoff auf Basis eines wachsenden Anteils in Deutschland produzierter oder importierter erneuerbarer Energien“.
9.000 Kilometer Transportleitungen bis 2032
Die Bundesregierung will den Aufbau eines Wasserstoff-Kernnetzes vorantreiben. Bis 2032 soll das Netz eine Länge von rund 9.000 Kilometern haben, einen flächendeckenden Wasserstofftransport ermöglichen und Deutschland an das europäische Wasserstoffnetz anbinden. Das Kernnetz wird wichtige Standorte wie Erzeugungsregionen, Kraftwerke, Industriezentren und Speicherstandorte sowie zahlreiche Grenzübergangspunkte und LNG-Terminals für den Gasimport miteinander verbinden.
Noch ist unklar, was passiert, wenn einzelne Verbraucher aus dem Netz aussteigen oder neue Verbraucher hinzukommen, die ursprünglich nicht in den Plan aufgenommen wurden. „TransHyDE 2.0“ zielt darauf ab, eine schnelle und agile Planung zu ermöglichen, wenn sich innerhalb des Systems etwas ändert. Eine weitere Herausforderung stellt die Befüllung von Wasserstoffspeichern dar. Hierfür müssen spezielle Kompressoren entwickelt werden. „Dazu braucht es Innovation“, betont Mario Ragwitz. „Wir wollen solche Innovationen beschleunigen.“











