(Quelle: CHE)

Zur Person

Ulrich Müller ist Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter politische Analysen am Centrum für Hochschulentwicklung (CHE), einer gemeinnützigen Wissenschaftsorganisation der Bertelsmann Stiftung und der Hochschulrektorenkonferenz. Er ist insbesondere Experte zum Thema Bafög. Zuvor arbeitete er in der Geschäftsstelle der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung.

Er warnt vor Auswirkungen auf die Studierenden. Bereits jetzt erreicht Bafög lediglich rund zwölf Prozent von ihnen, die Anzahl der Bafög-Empfänger sank zuletzt deutlich. „Hier findet gerade eine Verschiebung statt, ein heimlicher Systemwechsel: Die Elternabhängigkeit nimmt zu“, so Müller. Das treibe die Union nun weiter voran. Man nehme in Kauf, dass die meisten Studierenden sich nicht „voll und ganz aufs Studium konzentrieren können, weil die Studienorganisation nicht immer entsprechend flexibel gestaltbar ist“.

Auch aus der SPD kommt Widerstand. Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs, Koordinator der Länder mit SPD-Regierung in dem Bereich, sagte: „Das wäre ein Schlag ins Gesicht vieler Studierender und ein Vertrauensbruch, nachdem sich endlich auf die versprochene Reform geeinigt wurde.“ Man sei „schwer irritiert“. Die Vize-Fraktionsvorsitzende der SPD, Wiebke Esdar, nannte Bärs Ankündigung „schlicht falsch und nicht zutreffend“, da ihre Partei weiter hinter der Reform stehe.

Auch in der Union ist nicht jeder glücklich mit dem Vorgehen Bärs. Dennis Radtke, Chef des CDU-Sozialflügels, mahnte im „Tagesspiegel“, die Reform sei „kein unverbindliches Wunschprogramm, sondern eine politische Zusage an die junge Generation“.

Eine Bär-Äußerung sorgt für Aufsehen

Für Aufsehen sorgt dabei insbesondere eine Äußerung Bärs. Demnach seien Studierende in Deutschland schon sehr privilegiert. Es sei „kein Drama, wenn Studierende neben dem Studium jobben – viele sammeln dabei sogar wichtige Erfahrungen fürs Leben und den Beruf“.

Katharina Rummenhöller, Vorstandsmitglied des Freien Zusammenschlusses von Student*innenschaften (fzs), beklagt, es werde Faulheit unterstellt. Juso-Chef Philipp Türmer warf Bär im Deutschlandfunk vor, „saudumme Klischees“ zu wiederholen.

Phillip Türmer, Vorsitzender der Jusos. Er hat Bundeswirtschaftministerin Reiche scharf angegriffen.
Philipp Türmer, Vorsitzender der Jusos: Er kritisiert Bär scharf. (Quelle: Harald Tittel)

Dem Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zufolge hat sich unter Studierenden zwischen 20 und 24 Jahren die Erwerbsquote zwischen 2015 und 2023 bereits um gut 19 Prozentpunkte auf 56 Prozent erhöht. 41 Prozent der Einkünfte, die nicht mehr bei den Eltern lebende Studierende zur Verfügung haben, stammen laut Statistischem Bundesamt von 2024 aus Nebenjobs.

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