Angriffe auf Energieversorgung

Attacken auf Stromnetz: Polizei nimmt Verdächtigen fest

Aktualisiert am 08.09.2026 – 17:51 UhrLesedauer: 4 Min.

Polizisten sind in der Nähe des Kraftwerks Weisweiler im Einsatz. (Quelle: Sascha Thelen/dpa/dpa-bilder)

Tagelang hat die Polizei nach einem Mann gefahndet, der das Stromnetz in Deutschland sabotiert haben soll. Bei seiner Festnahme wird klar: Er hatte weitere Sprengmittel bei sich.

Nach einer Serie von Sabotage-Angriffen auf das Stromnetz in mehreren Bundesländern hat die Polizei einen verdächtigen 48-Jährigen festgenommen. Der Mann fiel Polizisten bei einem Großeinsatz in der Nähe des Kraftwerks Weisweiler bei Aachen auf. Die Ermittler glauben, dass er an mehreren Orten in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen versucht hat, Stromleitungen in der Nähe von Kohlekraftwerken zu sabotieren – in einigen Fällen ist ihm das gelungen.

Den Ermittlungen zufolge soll der Mann an mehreren Orten in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen Abschussvorrichtungen aufgebaut und mit selbstgebauten Raketen einen Draht über Hochspannungsleitungen geschossen haben. Mindestens zweimal kam es dadurch zu Kurzschlüssen, und einzelne Blöcke von nahegelegenen Kraftwerken wurden lahmgelegt.

NRW-Innenminister: Verdächtiger wollte weitermachen

Der Verdächtige wollte seine Angriffe nach Angaben von Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) fortsetzen. „Der war immer noch unterwegs und wollte weitermachen. Dieses Spiel ist heute beendet worden“, sagte Reul in Duisburg. „Im Moment spricht alles dafür, dass es ein Einzeltäter und alles aus seiner Hand war.“

Bei seiner Festnahme hatte der Mann laut Polizei Sprengmittel bei sich. „Die Gegenstände werden derzeit durch einen Entschärfer des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen begutachtet“, teilte die Polizei Köln mit. Einsatzkräfte hätten in der Nähe des Kraftwerks Weisweiler ein Zelt gefunden, das mit weiteren Sprengladungen versehen gewesen sei. Der Mann habe bei seiner Festnahme keinen Widerstand geleistet.

Brandenburgs Innenminister: „Fehlgeleiteter Einzeltäter“

Der Mann war laut Reul unterwegs auf einem Feldweg. Autobahnpolizisten seien mit dem Auto unterwegs gewesen. „Denen ist der Mann aufgefallen. Die haben angehalten, haben ihn sich geschnappt, und der hat auch keinen Widerstand geleistet. Und dann war die Sache relativ schnell klar.“ Ermittelt wird gegen den 48-Jährigen wegen des Verdachts der Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und der Störung öffentlicher Betriebe.

Der erste Angriff war vor einer Woche nahe dem Kraftwerk Jänschwalde in Brandenburg. Innenminister Jan Redmann (CDU) sprach von einem „fehlgeleiteten Einzeltäter“ und kündigte Konsequenzen für mehr Sicherheit an. „Es braucht schon mehr als einen Chaoten, um Deutschland ins Chaos zu stürzen“, teilte er mit. Derzeit liegen nach Angaben des Polizeipräsidiums Brandenburg keine Hinweise auf weitere Täter vor. Das sei Bestandteil der Ermittlungen, sagte Sprecherin Beate Kardels.

Die Spurensicherung am Ort der Festnahme in der Nähe des Kraftwerks Weisweiler. (Quelle: Alexander Franz/dpa/dpa-bilder)

Konkrete Hinweise am Kraftwerk Weisweiler

Die Arbeit der Ermittler hatte sich zuletzt sehr auf Weisweiler im Rheinischen Braunkohlerevier konzentriert. Schon vergangene Woche hatte die Polizei den Bereich mit vielen Kräften abgesucht, nachdem das Kraftwerk in einem Bekennerbrief erwähnt wurde, der von dem 48-Jährigen aus Gevelsberg im südlichen Ruhrgebiet stammen soll. Am Montag gab es dann erneut verdächtige Beobachtungen in Weisweiler. Tatsächlich fanden die Beamten dort weitere Abschussvorrichtungen und einen dritten Bekennerbrief.

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