Um den Nutzen und die Risiken von Aspirin zu verstehen, werteten die Forschenden Daten von insgesamt rund 125.000 Menschen mit einem durchschnittlichen Krebsrisiko aus. Die Daten stammten aus zehn klinischen Studien, die hauptsächlich in Europa und Nordamerika durchgeführt wurden. Die meisten Studien untersuchten niedrig dosiertes Aspirin mit 75 bis 100 Milligramm pro Tag.

Die Forscher analysierten, wie häufig bei Teilnehmenden, die täglich Aspirin einnahmen, Darmkrebs auftrat und verglichen dies mit dem Anteil der Betroffenen in Kontrollgruppen, die kein Aspirin oder ein Placebo einnahmen.

Es gelte daher, Nutzen und Risiken sorgfältig abzuwägen und sich ärztlich beraten zu lassen, betonen die Wissenschaftler. Der ebenfalls beteiligte Autor Dan Cao erklärt, es gebe keine für alle geltende Empfehlung. „Die weitverbreitete Verwendung von Aspirin in der Allgemeinbevölkerung wird durch die vorliegenden Erkenntnisse einfach nicht gestützt.“

Michael Hoffmeister vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) – selbst nicht an der Studie beteiligt – ist von den Ergebnissen der Analyse nicht überrascht. Zuletzt habe es vermehrt Studien mit diesem Tenor gegeben, auch in den USA sei die offizielle Leitlinie bereits vor einigen Jahren entsprechend geändert worden, die zuvor Aspirin zur Darmkrebsvorbeugung empfohlen hatte.

Bei Aspirin sei bekannt, dass es einen verzögerten Effekt habe. „Das heißt, um einen Effekt zu sehen, muss man es mindestens fünf Jahre nehmen und dann zeigt sich der Effekt erst in den folgenden Jahren.“ Das gelte auch für die Risiken, so steige auch das Blutungsrisiko erst mit längerer Einnahme.

Statt auf die fragliche Wirkung von Aspirin zu setzen, ist es stattdessen ratsam, die beeinflussbaren Risikofaktoren von Darmkrebs zu reduzieren. Dazu gehören Übergewicht vermeiden, sich täglich bewegen, nicht rauchen, wenig Alkohol trinken und wenig rotes Fleisch oder verarbeitete Fleischprodukte essen, dafür mehr Ballaststoffe verzehren und Früherkennungsangebote wie die Darmspiegelung oder Stuhluntersuchungen nutzen. Damit lässt sich laut Experten ein Großteil der Krebsneuerkrankungen vermeiden.

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