Unterschiede bleiben groß
Arme sind jetzt in Deutschland etwas weniger arm
19.08.2026 – 23:51 UhrLesedauer: 2 Min.
Laut einer Studie sind Arme jetzt etwas weniger arm. Die Vermögen in Deutschland bleiben dennoch sehr ungleich verteilt.
Die Vermögensungleichheit in Deutschland hat sich in den vergangenen rund 15 Jahren einer Studie zufolge nicht weiter verschärft, sondern eher leicht verringert. Das geht aus einer noch unveröffentlichten Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor, die für die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (VBW) erstellt wurde und der „Süddeutschen Zeitung“ vorab vorlag.
Demnach ging die Schere zwischen Arm und Reich vom Ende der 90er-Jahre bis zum Beginn der Weltfinanzkrise 2008 zunächst auseinander. Seither sei die Entwicklung jedoch leicht rückläufig. Als Gründe nennt die Studie unter anderem, dass Menschen mit viel Geld in der Finanzkrise naturgemäß stärker von Vermögensverlusten betroffen gewesen seien. In den Folgejahren habe zudem eine Kombination aus kräftigem Wachstum von Wirtschaft und Realeinkommen sowie ultraniedrigen Zinsen zu sinkender Verschuldung beigetragen. Viele Bürger konnten so ihr Nettovermögen – also Besitz abzüglich möglicher Kredite etwa für Haus oder Auto – erhöhen.
Auch die Corona-Pandemie habe zunächst zur Vermögensbildung beigetragen, weil weniger konsumiert und mehr gespart oder angelegt worden sei. Die anschließende Inflationsphase habe diesen Effekt allerdings wieder geschmälert.
Niedrige Eigentumsquote
Trotz zeitweise stärkerer Zuwächse bei weniger vermögenden Gruppen bleiben die Unterschiede groß. Im europäischen Vergleich ist die Ungleichheit in Deutschland laut Studie weiterhin relativ hoch – ein Muster, das sich aber auch in anderen einkommensstarken Ländern mit ausgeprägtem Sozialsystem findet, etwa in Skandinavien. Als Erklärung wird angeführt, dass private Vorsorge dort weniger notwendig sei und Ansprüche gegenüber Sozialversicherungen in den Statistiken nicht als Vermögen erfasst würden. Würden beispielsweise Rentenanwartschaften berücksichtigt, fiele die Ungleichheit demnach spürbar geringer aus.
Deutlich sind außerdem regionale Unterschiede: In Süddeutschland liegt das Nettovermögen laut IW im Schnitt bei 442.100 Euro und damit mehr als zweieinhalb Mal so hoch wie im Osten mit 169.100 Euro. Beim Median ist der Abstand noch größer: Im Süden beträgt er 189.000 Euro, im Osten knapp 36.000 Euro. Ein Grund sei, dass viele Menschen in Ostdeutschland erst seit 1990 Vermögen aufbauen konnten.
Hinzu komme eine niedrige Wohneigentumsquote, die auch bundesweit zur vergleichsweise hohen Ungleichheit beitrage. Statt höhere Belastungen für Reiche zu fordern, empfiehlt das IW nach eigenen Angaben Maßnahmen, die den Vermögensaufbau breiter Bevölkerungsschichten unterstützen – etwa durch niedrigere Steuern und Gebühren beim Kauf von Haus oder Wohnung.