ARD und ZDF streichen Sendungen
Das ist die wahre Botschaft hinter dem Sparkurs
08.06.2026 – 12:16 UhrLesedauer: 4 Min.
In den vergangenen Wochen häuften sich die Meldungen über das Aus beliebter Programme im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Dahinter steckt eine Strategie.
Es geht Schlag auf Schlag: Der WDR kündigte an, seine Audioangebote neu zu ordnen und dabei den Radiosender Cosmo einzustellen. ARD und ZDF werden Ende 2026 die Digitalkanäle Tagesschau24, One und ARD alpha abschalten. Der SWR plant, die seit mehr als 30 Jahren laufende Unterhaltungssendung „Immer wieder sonntags“ mit Stefan Mross nach der aktuellen Saison nicht fortzuführen.
Vor wenigen Wochen teilte zudem der MDR mit, das erst kürzlich übernommene „Mittagsmagazin“ im Ersten wieder abgeben zu müssen. Kurz darauf die nächste Nachricht. Der Mitteldeutsche Rundfunk will zusätzlich für drei Jahre keine neuen Folgen seiner beiden erfolgreichen Krimiformate „Tatort“ (aus Dresden) und „Polizeiruf 110“ (aus Magdeburg) produzieren lassen.
Dauerstreit über die Erhöhung des Rundfunkbeitrags
Die Proteste fielen bei all diesen Entscheidungen entsprechend groß aus. Doch genau dieser Effekt ist keineswegs unbeabsichtigt. Über Jahre hinweg wurde im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gespart, ohne dass das Publikum die Folgen unmittelbar bemerkte. Redaktionen wurden verkleinert und zusammengelegt, freie Mitarbeitende gerieten stärker unter Druck, kleinere Produktionen verschwanden. Vieles davon blieb für Zuschauerinnen und Zuschauer weitgehend unsichtbar.

Nun scheint sich die Strategie geändert zu haben. Denn inzwischen trifft es Programme, die bekannt sind, ein großes Publikum erreichen und deren Wegfall wahrgenommen wird. Beobachtern drängt sich der Eindruck auf: Das ist beabsichtigt. Die Botschaft: Politische Entscheidungen zur Finanzierung des öffentlichen Rundfunks haben spürbare Konsequenzen.
Eigentlich hatte die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags um 58 Cent pro Monat empfohlen. Doch neben Bayern hat unter anderem die Regierung von Sachsen-Anhalt die Erhöhung blockiert. Zu Unrecht, wie ARD und ZDF meinen. Schließlich existiert für die Festlegung des Rundfunkbeitrags ein abgestimmtes Verfahren, bei dem für die Länder eigentlich kein Vetorecht vorgesehen ist. Durch die Blockade der geplanten Erhöhung entstanden in den Anstalten millionenschwere Finanzierungslücken, die zusätzliche Sparmaßnahmen nach sich zogen.
Zwar korrigierte die KEF ihre Empfehlung im Dezember auf eine Erhöhung um lediglich 28 Cent, doch auch diese würde weiterhin große Löcher in die Haushalte reißen. Und selbst diese Erhöhung muss zunächst noch von den Ländern beschlossen werden.
Das „Tatort“-Aus ist eine Warnung an die Politik
Besonders hart trifft diese Entwicklung den MDR, der bereits vor der Blockade ein weitreichendes Sparpaket in Höhe von 160 Millionen Euro auf den Weg gebracht hatte. Dabei war die Anstalt damals noch von einer Beitragserhöhung ausgegangen. Auch wenn die reduzierte Erhöhung kommt, fehlen dem MDR weitere 30 Millionen Euro. Wird der Rundfunkbeitrag gar nicht erhöht, wächst das zusätzliche Defizit sogar auf 60 Millionen Euro.









