Vor Mallorcas Küste

Forscher bergen antikes Schiff mit 300 versiegelten Amphoren


09.03.2026 – 13:33 UhrLesedauer: 3 Min.

Taucher arbeiten am Wrack der „Pecio de Ses Fontanelles“ vor der Kulisse des Strandes von Palma de Mallorca.

Spektakel an der Playa de Palma: Ein antikes, römisches Schiff aus dem 4. Jahrhundert nach Christus wird dort seit heute aus dem Meer geborgen.

Nur wenige Meter vor der Küste von Can Pastilla auf Mallorca, etwa 65 Meter vom Strand entfernt, ruht seit rund 1.600 Jahren ein römisches Handelsschiff auf dem Meeresgrund. Entdeckt wurde der Frachter im Jahr 2019 – zufällig, nach einem Sturm, der Sand und Sedimente vom Meeresboden bewegte und das Wrack freilegte. Nun endet seine lange Ruhephase: Ab dem heutigen 9. März beginnt die spektakuläre Bergung der „Pecio de Ses Fontanelles“.

Die Bergung ist ein aufwendiges Projekt. Mehrere Dutzend Taucher, Archäologen, Historiker und Sicherheitskräfte sind örtlichen Medien zufolge daran beteiligt. Die Arbeiten könnten – abhängig von Wetter und Seegang – bis zu vier Monate dauern und bis in die Hauptsaison hineinreichen, heißt es.

Vor Ort wird dazu ein Feldlager eingerichtet, damit die Fachleute der Universitat de les Illes Balears, der Universität Cádiz, der Universität Barcelona und des Nationalen Museums für Unterwasserarchäologie unter kontrollierten Bedingungen arbeiten können. Auch Schaulustige sollen vor Ort informiert werden. Schilder mit QR-Codes führen zu Hintergrundmaterial und einem Dokumentarfilm über das Projekt, schrieb Mallorcas Kulturdezernentin Antònia Roca in einer Mitteilung.

Ursprünglich hatten Experten erwogen, das Schiff komplett zu heben. Doch daraus wird nichts. Der Kiel, also die zentrale Längsstruktur eines Holzschiffes, fehlt. Deshalb wird das Wrack nun in mehrere Teile zerlegt und an die Oberfläche gebracht, so die verantwortlichen Forscher. Die Bergung war seit April letzten Jahres vorbereitet und mit einem eigens gebauten Replikat des Wracks in allen Einzelheiten geplant worden.

Das zwölf Meter lange und etwa fünf Meter breite Schiff transportierte einst Waren aus Carthago Spartaria (damals die Hauptstadt der oströmischen Provinz Spania), dem heutigen Cartagena. Als Ziel vermuten Experten Rom. Doch Mallorca war nicht nur Zwischenstation für den Frachter, sondern offenbar selbst Bestimmungsort für Lieferungen.

Besonders spektakulär ist laut den Forschern die Fracht der „Pecio de Ses Fontanelles“. Rund 300 bis 320 Amphoren lagen im Schiffsrumpf, viele davon noch versiegelt. In den tönernen Gefäßen wurden Olivenöl, Wein, gegorener Traubensaft und Fischsoße transportiert. Einige Amphoren tragen noch gemalte Inschriften, die Forschern helfen, Herkunft und Alter der Waren genauer zu bestimmen.

Share.
Exit mobile version