Berlin-Monitor 2025
Demokratie verliert in Berlin an Zustimmung
23.02.2026 – 14:42 UhrLesedauer: 2 Min.
Der Berlin-Monitor zeigt: In der deutschen Hauptstadt wachsen antidemokratische Einstellungen. Das ist nicht die einzige besorgniserregende Tendenz.
Die Zustimmung der Berliner zur Demokratie hat in den vergangenen Jahren abgenommen. Nur noch 86 Prozent der Hauptstädter befürworten die Demokratie als politisches System, wie aus dem am Montag vorgestellten Berlin-Monitor 2025 hervorgeht. Im Jahr 2021 lag dieser Wert noch bei 92 Prozent, 2023 bei 90 Prozent.
Im Jahr 2025 war auch die Zufriedenheit mit der Demokratie rückläufig. Laut der Studie zeigten sich 2025 nur noch 62 Prozent der Befragten zufrieden mit der demokratischen Staatsform. Zum Vergleich: 2023 waren es noch 69 Prozent, 2021 sogar 70 Prozent.
Den Studienautoren zufolge stimmten 40 Prozent der Befragten neben der Demokratie auch antidemokratischen Systemalternativen zu. Diese Gruppe wird von den Studienautoren als „fragile Demokraten“ bezeichnet. Zwölf Prozent der Berliner befürworteten sogar ausschließlich antidemokratische Systeme wie ein Einparteiensystem, eine Diktatur oder einen starken Führer.
Die Studie offenbart zudem eine weitverbreitete Verschwörungsmentalität. Bei 29 Prozent der Hauptstädter stellten die Forscher entsprechende Denkmuster fest. Diese Entwicklung geht einher mit einem wachsenden Antisemitismus in der Bevölkerung.
Bei bis zu 20 Prozent der Berliner Einwohner identifizierten die Wissenschaftler tradierte, israelbezogene oder postkoloniale antisemitische Positionen. Zudem wiesen ebenfalls bis zu 20 Prozent einen überzeugten und expliziten sogenannten Schuldabwehrantisemitismus auf. Antisemitismus sei in Berlin weiter verbreitet als in West- und Ostdeutschland, erklärte Studienautor Oliver Decker von der Universität Leipzig. „Seit dem Überfall der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 registrieren wir einen zunehmend israelbezogenen Antisemitismus in der gesamten Bevölkerung – in der extremen Rechten ist der Hass auf Jüdinnen und Juden am stärksten“, sagte Decker.
Neben dem Antisemitismus dokumentiert die Studie auch eine verbreitete Ablehnung gegenüber Sinti und Roma. Bei 20 bis 30 Prozent der Berliner stellten die Forscher eine konsistent ablehnende Haltung fest. 30 Prozent der Hauptstädter halten Sinti und Roma für weniger zivilisiert. 45 Prozent denken, die Anwesenheit dieser Minderheit führe zu Konflikten.
Der Berlin-Monitor wurde von einem Forschungsteam der Universität Leipzig im Auftrag des Senats erstellt. Für die repräsentative Erhebung befragten die Wissenschaftler zwischen Juni und August 2025 insgesamt 2022 Berlinerinnen und Berliner ab 18 Jahren.
