Doch die Initiative, sich über deutsche Politik auszutauschen, kam nicht nur von Bannon. Auch Epstein ließ sich über die Kanzlerin aus. So schickte er Bannon 2018 ein Zitat von Merkel, die sich für eine Stärkung des europäischen Zusammenhalts aussprach. Zudem sagte sie in dem Zitat, die Migrationsfrage könne „Europa zerbrechen“. Daraufhin forderte Epstein Bannon offenbar im Scherz auf, nach Europa zu kommen. Bannon antwortete: „Rieche die Angst.“

Allerdings kommt Merkel nicht nur in den Unterhaltungen von Bannon und Epstein vor. In den Dokumenten findet sich auch ein Chat, in dem Bannon einer anonymisierten Person schrieb, er hoffe, Merkel werde bald „unter den Bus“ geraten.

Eine in den Unterlagen geschwärzte Person äußerte in einem Chat mit Epstein auch Bedenken: In Deutschland sei man wegen Trumps Wahlerfolg besorgt. Man wolle daraus lernen, um den Erfolg der AfD zu verhindern. Epstein verteidigte daraufhin seinen früheren Freund Trump. Dieser sei „weder Rassist noch Sexist“.

Im April 2013 schickte Sultan bin Sulayem, ein Geschäftsmann aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Epstein ein Foto. Die drei darauf abgebildeten Personen sind zwar geschwärzt, allerdings ist die Aufnahme aus dem Internet bekannt. Es zeigt drei junge Frauen beim Baden. Der Absender schrieb dazu: „Kanzlerin Merkel in ihrer Jugend!“ Allerdings gilt das Bild als Fälschung, Merkel ist darauf nicht zu sehen.

An anderer Stelle schrieb der damalige Generalsekretär des Europarates Thorbjørn Jagland, er müsse nachher noch Merkel treffen. In weiteren Nachrichtenverlauf geht es allerdings vor allem um die Gesundheit der beiden Männer.

Epstein informierte sich derweil auch aus anderen Quellen über die deutsche Politik. So findet sich in seinen Mails ein Newsletter mit rechtsextremen Ansichten. Darin heißt es etwa, es gebe sicher immer noch Deutsche, „die Adolf Hitler Angela Merkel vorziehen“. Aber man finde keine führenden Politiker mehr in Deutschland, die heute noch „die Noblesse der Nazis loben“.

In den neu veröffentlichten Epstein-Akten wird also insbesondere über deutsche Politiker gesprochen, direkten Kontakt zu Epstein hatte in den neuen Dokumenten aber niemand. Während es in anderen europäischen Ländern zu mehreren Rücktritten im Zuge der Veröffentlichung gekommen ist, ist dies in Deutschland wohl nicht zu erwarten.

Epstein unterhielt einen Sexhandelsring. Er missbrauchte dabei insbesondere minderjährige Mädchen und reichte diese an zahlreiche hochrangige Personen weiter. 2008 wurde er erstmals verurteilt, erhielt aufgrund eines umstrittenen Deals aber nur eine 18-monatige Haftstrafe. 2019 wurde er dann erneut festgenommen und beging in seiner New Yorker Gefängniszelle Suizid.

Share.
Exit mobile version