Und – das ist hier entscheidend – die Sendung gibt zu keiner Zeit vor, etwas anderes zu sein. Ob dies der Anspruch einer Produktion im öffentlich-rechtlichen Rundfunk sein sollte, steht auf einem anderen Blatt. Doch ihr Erfolg liegt gerade darin begründet, dass sie diese Niederschwelligkeit zum alles bestimmenden Prinzip erhebt.

Der „ZDF Fernsehgarten“ inszeniert sich als Mainstream des Mainstreams. Als zum Leben erweckter Aperol Spritz. Die Sendung adressiert ausdrücklich nicht das Feuilleton oder das Bildungsbürgertum und bildet Themen, Trends, Musik und Haltungen ab, die eher auf den Rummelplätzen und weniger in Opernhäusern stattfinden. Dazu gehören zeitgenössische Schlagermusik, Zirkusdarbietungen, Tiergeschichten, Party-Spiele, Mode, Kochrezepte, Sportmeisterschaften oder der „Eurovision Song Contest“. Auch daran ist nichts Verwerfliches.

In diesem Varieté-Programm werden aktuelle gesellschaftliche Debatten zwar nicht vollends ausgeblendet, aber stark verkürzt aufgenommen. Wenn etwa eine Fußballmeisterschaft besprochen wird, dann bloß mit Bezug auf die Spiele der deutschen Mannschaft und höchstens am Rande mit Bezug auf systematische Missstände im Profisport oder zu Menschenrechtsverletzungen am Austragungsort. Das Aufgreifen der Covid-19-Pandemie erfolgte nicht im Zusammenhang mit einer Besprechung der tödlichen Krankheit, sondern vollzog sich im Bedauern über das abwesende Live-Publikum.

Die Erinnerung an frühere Jahrzehnte verläuft entlang erfolgreicher Pop-Hits, beliebter Konsumgüter oder schriller Klamotten aus der Zeit, allerdings nicht über damalige politische Ereignisse oder gesellschaftliche Reibungspunkte. Und selbst wenn Kiewel eine Ausgabe nicht moderieren kann, weil sie wegen der Sicherheitslage in Israel ihren Wohnort Tel Aviv nicht per Flugzeug verlassen kann, wird das in der Show nicht thematisiert. Es wird eine Wohlfühlempathie etabliert, die selten wirkliche Anstrengungen verlangt. Vor allem soll hiermit niemand verschreckt werden.

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