Schadstoffe in Nivea und Co.

Analyse zeigt: Viele Produkte werden trotz Verbot verkauft


17.04.2026 – 15:07 UhrLesedauer: 3 Min.

Shampoos bis Rasierschaum: Pflegeprodukte aus dem Internet können schädliche Stoffe enthalten.

Von Shampoos bis Rasierschaum: Pflegeprodukte aus dem Internet können schädliche Stoffe enthalten. (Quelle: Dmytro Buianskyi/getty-images-bilder)

Wer Duschgels, Shampoos und Kosmetikprodukte im Internet kauft, geht damit mitunter ein gesundheitliches Risiko ein. Denn die Produkte können längst verbotene Stoffe enthalten.

Haargels, Shampoos und Rasierschaum: Wer solche Produkte in Deutschland kauft, geht davon aus, dass sie hinreichend getestet und sicher sind. Doch eine aktuelle Recherche der Plattform „Correctiv“ zeigt, dass dieser Schutz Lücken hat. Trotz klarer Verbote verkaufen Händler weiterhin Kosmetikprodukte mit problematischen Inhaltsstoffen, teils auch noch Jahre später.

Für ihre Analyse wertete „Correctiv“ Daten aus dem Schnellwarnsystem „Safety Gate“ der EU aus. Dieses System informiert Verbraucher in Echtzeit über gefährliche Produkte. In den vergangenen zehn Jahren habe die EU mehr als 4.000 Produkte offiziell vom Markt genommen, weil sie für Verbraucher gesundheitsschädlich waren, so die Investigativ-Plattform. Viele seien jedoch weiterhin erhältlich, besonders auf großen Online-Plattformen.

Das Problem betrifft auch bekannte Marken wie:

Eine vollständige Liste der einzelnen Pflegeprodukte, die potenziell gesundheitsschädliche Stoffe enthalten, finden Sie in dem Artikel von „Correctiv“.

Die Firmen selbst gaben an, die Produkte nach dem Verbot nicht mehr auszuliefern, so „Correctiv“. Doch die Journalisten konnten drei der verbotenen Produkte kaufen, darunter einen Nivea-Rasierschaum bei Amazon, der den Duftstoff Lilial (auch BMHCA genannt) enthält und unter anderem die Fruchtbarkeit schädigen kann. Ein Amazon-Sprecher schreibt dazu auf Anfrage, der Konzern überprüfe kontinuierlich den Store. Er habe nun den verbotenen Rasierschaum aus dem Angebot entfernt. Zwei weitere Online-Händler äußerten sich nicht auf Anfrage.

Allein 2025 prüfte die EU-Kommission laut einem Sprecher mehr als 1,6 Millionen Webseiten und entdeckte mehr als 20.000 illegale Produkte, darunter viele auf großen Plattformen wie Shein, Temu und AliExpress. Wie viele davon Kosmetikprodukte betrafen, blieb unklar.

Die Investigativ-Plattform bemängelt daher, dass es zu wenige Überprüfungen gebe – sowohl, wenn Risiken gemeldet werden, als auch, wenn neue Produkte auf den Markt kommen. So brächten Unternehmen jeden Tag 800 neue Kosmetikprodukte auf den europäischen Markt, die nur stichprobenartig getestet werden. Und viele der Inhaltsstoffe seien allgemein nur unzureichend geprüft, schreibt „Correctiv“.

Kritisch sieht „Correctiv“ zudem aktuelle politische Pläne. Die EU diskutiert derzeit, wie lange verbotene Produkte noch verkauft werden dürfen. Bisher liegt die Frist bei 18 Monaten. Künftig könnten es bis zu sechs Jahre sein.

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