„Erklärungsbedürftig“
OpenAI-Chef häufiger bei Merz-Ministern als jeder US-Techrivale
27.05.2026 – 02:50 UhrLesedauer: 3 Min.

Merz, Klingbeil, Wildberger: Der Chef des ChatGPT-Entwicklers OpenAI besuchte im vergangenen Jahr mehrfach Kanzler und Minister. Die Grünen fordern Transparenz und Souveränität.
Sam Altman ist einer der einflussreichsten KI-Unternehmer der Welt. Seine Künstliche Intelligenz ChatGPT beantwortet die Fragen von rund 900 Millionen Nutzern weltweit. Und im Berliner Regierungsviertel ist der US-Amerikaner offenbar ein besonders gern gesehener Gast: Fünfmal besuchte Altman im vergangenen Jahr den Kanzler oder seine Minister zum direkten Gespräch – so häufig wie kein anderer CEO eines großen außereuropäischen Tech-Unternehmens. Das geht aus einer Antwort des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung auf eine Anfrage von Grünen-Politikern im Bundestag hervor, die t-online exklusiv vorliegt.
Mit dem CEO des Chipkonzerns Nvidia traf sich die Bundesregierung hingegen zweimal – einmal vertreten von Kanzler Merz, einmal von Digitalminister Wildberger. Mit dem CEO von Apple traf sich Merz einmal. Andere Treffen mit Konzernchefs gab es laut Antwort auf die Anfrage nicht.
Die Vernetzung mit Altman wurde demnach zügig nach der Vereidigung der neuen Bundesregierung am 6. Mai 2025 aufgenommen. Am 25. Juni besuchte Altman erstmals Digitalminister Karsten Wildberger (CDU). Am 24. September dann traf Altman Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Am Tag darauf, dem 25. September, sprach er noch einmal bei Wildberger vor und kam am selben Tag in einem separaten Treffen mit Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) zusammen. Am 22. Oktober traf er noch einmal Wildberger, den Chef des neuen Digitalministeriums.
„Grundsätzlich vertraulich“
Die Grünen fragten auch nach den Anlässen für die Treffen. Die Antworten sind hier allerdings vage gehalten: Beim Termin mit Merz ist „Gespräch auf Anfrage des Unternehmens“ vermerkt, beim Treffen mit Klingbeil „Allgemeiner Austausch“, bei den Gesprächen mit Wildberger wahlweise „Allgemeiner Austausch“ oder „Austausch zu digitalpolitischen Themen“.
Auf Anfrage von t-online an das Bundeskanzleramt, mit welchem Grund der OpenAI-Chef das Gespräch mit Merz anfragte und worum es bei dem Gespräch ging, teilt eine Sprecherin mit: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass Inhalte von Gesprächen des Bundeskanzlers grundsätzlich vertraulich sind.“ Ganz ähnlich heißt es aus dem Digitalministerium: „Wir bitten um Verständnis, dass wir zu den spezifischen Inhalten und Details einzelner Gespräche grundsätzlich keine Auskunft geben.“
KI-Kooperation für deutsche Verwaltung
Das Netzwerken in Berlin scheint sich für Altman allerdings bereits ausgezahlt zu haben. Im September – am selben Tag wie Altmans Treffen mit Kanzler Merz – verkündeten OpenAI und das deutsche Software-Unternehmen SAP eine gemeinsame Kooperation mit dem Titel „OpenAI for Germany“ – zur Anwendung in der deutschen Verwaltung. Wildberger begrüßte die Kooperation am selben Tag als „gutes Signal“.
Die Kritik von Experten an dem Deal allerdings ist groß. Sie monieren, dass die technische Infrastruktur maßgeblich von US-Unternehmen abhängig ist und OpenAI amerikanischer Gesetzgebung unterliegt. Das erlaubt es US-Behörden, auf Daten zuzugreifen, selbst wenn sie in Deutschland oder der EU gespeichert sind.










